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Aus: Ausgabe vom 03.09.2021, Seite 5 / Inland
Arbeitsplätze in der Industrie

Autoland im Umbau

Opel-Werk in Kaiserslautern produziert künftig Batterien. IG Metall diskutiert Strategien zur sozial-ökologischen Transformation
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In Kaiserslautern werden künftig keine Verbrennungsmotoren mehr produziert

Opel bekommt für den Umbau des Standorts in Kaiserslautern staatliche Förderungen im Volumen von insgesamt 437 Millionen Euro. In dem bisherigen Werk sollen künftig Batteriezellen entwickelt werden. Das Geld komme vom Bundeswirtschaftsministerium, teilte dieses am Donnerstag in Berlin mit. Zunächst rund 51 Millionen Euro steuere das Land Rheinland-Pfalz bei, diese Summe sei in den 437 Millionen bereits enthalten.

Der Opel-Mutterkonzern Stellantis hat dazu mit dem französischen Batteriehersteller Saft das Joint Venture Automotive Cell Company (ACC) gegründet. Ab 2023 sollen schrittweise drei Blöcke mit einer Kapazität von jeweils acht Gigawattstunden aufgebaut werden, erklärte Opel-Manager Ralph Wangemann. Die Produktion werde 2025 starten. Jährlich könnten damit Batteriezellen für eine halbe Million Fahrzeuge des Stellantis-Konzerns gefertigt werden, zu dem auch die Marken Peugeot, Citroën und Fiat gehören.

Die an dem Joint Venture beteiligten Firmen investieren insgesamt über zwei Milliarden Euro. Bislang werden in dem Werk in der Pfalz Verbrennungsmotoren und Komponenten hergestellt. Parallel zum Umbau in Kaiserslautern soll im nordfranzösischen Douvrin eine etwa gleich große Batteriezellfabrik des Joint Ventures entstehen, die von der französischen Regierung subventioniert wird.

Die Bundesregierung stellt zur Förderung neuer Batteriezellen insgesamt bis zu drei Milliarden Euro zur Verfügung. Erwartet werden dadurch Firmeninvestitionen in Höhe von über 13 Milliarden Euro. Rund 10.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Altmaier sagte in Kaiserslautern, im Jahr 2030 dürften auf deutschen Straßen ungefähr 14 bis 15 Millionen E-Autos unterwegs sein. Aktuell sei es nur eine Million.

Die Gewerkschaft zeigte sich zufrieden. Die Weichen seien jetzt gestellt, sagte Jörg Köhlinger, Leiter der IG Metall Mitte. Die Gewerkschaft werde alles dafür tun, dass zu guten Arbeits- und Tarifbedingungen produziert werde.

Dabei stellt der Umbau der Branche die IG Metall vor große Herausforderungen. Aus diesem Anlass diskutierten am Donnerstag rund 320 Betriebsräte und Vertrauensleute mit Wissenschaftlern, Vertretern von Fridays for Future, der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände und Praktikern aus den Betrieben über die strategischen Herausforderungen. Köhlinger kritisierte auf der Konferenz in Fulda, etwa die Hälfte der mehr als 300 befragten Unternehmen im IG-Metall-Bezirk Mitte ignoriere den anstehenden Strukturwandel schlicht oder begegne der Transformation mit dem Abbau von Arbeitsplätzen und Verlagerungen. Die Beschäftigten in der Automobil- und Zulieferindustrie sowie in der Stahlbranche und im Handwerk bräuchten Zukunftstarifverträge. Damit könnten Wertschöpfungsketten und Beschäftigung gesichert werden. »Wir haben keine Angst vor Veränderungen, wir benötigen aber das notwendige Instrumentarium für eine faire – sozial-ökologische – Transformation. Das heißt: Mehr Demokratie im Betrieb und auf Konzernebene«, sagte Köhlinger in Fulda. Der Umbauprozess erfordere einen starken Staat, der eine aktive Industriepolitik betreibe und ausreichend finanzielle Mittel bereitstelle. (Reuters/jW)

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