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Aus: Ausgabe vom 27.08.2021, Seite 8 / Ansichten

Waldbrandstifter des Tages: Graue Wölfe

Von Emre Sahin
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Augenkrebs: »Wolfsgruß« bei Demo türkischer Faschisten in München (10.4.2016)

Die türkische Mittelmeerprovinz Antalya verbinden viele Menschen in der BRD vor allem mit Urlaub: günstige All-inclusive-Hotels dank Lira-Verfall (hey!) und antike griechische Kulturgüter, mit denen die Türken seit der Vertreibung der Griechen vor hundert Jahren Geld zu machen wissen. In der Türkei selbst ist die Provinz daneben für ihre rechte Szene bekannt, bei deren Aufmärschen auch mal Parteibüros der linken HDP in Brand gesteckt werden. Der Alltagsrassismus schlägt einem in Antalya überall ins Gesicht. Mir selbst vor einigen Jahren, als eine Gözleme-Verkäuferin, warum auch immer, meinte, mich aufmuntern zu müssen, nachdem sie mich gefragt hatte, wo ich denn herkomme. Ich sagte: »Kurde«, sie antwortete: »Ist doch nicht schlimm, ihr seid auch nur Menschen.«

Zuletzt haben sich die Nationalisten der Provinz während der verheerenden Waldbrände hervorgetan. Im Glauben, Kurden hätten das Feuer absichtlich gelegt, um der Türkei zu schaden, errichteten sie Straßenkontrollen, in der Hoffnung, Kurden »ausfindig« zu machen und lynchen zu können. Überraschung: Vor einigen Tagen wurde wegen der Brände ein besagter Ali Y. in Antalya festgenommen, nachdem er in einer Sprachnachricht gegenüber seiner Freundin zugegeben hatte, dass er das Feuer gelegt habe – sie ging damit zur Polizei (krasser Vertrauensbruch). Nun kam raus: Der Verdächtige ist nicht nur Türke, sondern auch Mitglied der faschistischen »Grauen Wölfe«, ein Plot-Twist ohnegleichen. Er habe Geld für die Tat bekommen, wisse aber nicht genau von wem, so Ali Y. in der Nachricht.

Tja. Bei den Straßenkontrollen haben die selbsterklärten Beschützer des Vaterlandes den Supernationalisten Ali Y. vor lauter Bäumen nicht gesehen. Dabei lernt man schon in der Grundschule: Die Person, die gesagt hat: »Boah, hier stinkt’s, wer hat gefurzt?«, war es auch, die ihn hat gehen lassen.

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