Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Sa. / So., 16. / 17. Oktober 2021, Nr. 241
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 17.08.2021, Seite 1 / Inland
Subventionierte Monopole

Bund stößt Lufthansa-Beteiligung ab

Staat erzielt kräftigen Gewinn aus Aktien der Airline. Beschäftigte haben nichts davon
Von Simon Zeise
imago0120860036h.jpg
Coronaimpfung von Flugpersonal der Lufthansa in München (8.6.2021)

Knapp 14 Monate nach dem Einstieg bei der Lufthansa trennt sich der deutsche Staat von einem ersten Aktienpaket. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) will in den kommenden Wochen seinen Aktienanteil von 20 Prozent an der Airline um maximal ein Viertel auf bis zu 15 Prozent reduzieren, wie er am Montag in Berlin mitteilte.

Auf den Markt kommen damit bis zu 29,9 Millionen Lufthansa-Aktien, die der Bund im Sommer 2020 für den Nennwert von je 2,56 Euro erworben hatte, um den Flugkonzern in der Coronakrise zu stabilisieren. Aktuell werden die Papiere für rund neun Euro an den Börsen gehandelt, so dass der Bund einen kräftigen Gewinn erzielt hat. Das zum Verkauf stehende Viertel des Pakets hat derzeit einen Wert von rund 270 Millionen Euro. Nach Bekanntwerden der Verkaufsabsichten sackte der Kurs der Lufthansa-Aktie ab auf zeitweise 8,81 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020.

Mit dem am Montag begonnenen Verkauf des ersten Aktienpakets verliert der WSF die Möglichkeit, über eine Umwandlung der stillen Beteiligung eine Sperrminorität in dem Konzern zu erwerben. Damit sollte in der Krise beispielsweise eine Übernahme verhindert werden. Der Bund begründete seinen Schritt mit der positiven Entwicklung des Unternehmens. Man bleibe aber wesentlicher Aktionär und werde die Stabilisierung weiterhin begleiten. Ohne die Hilfen hätte Lufthansa nach den Worten ihres Aufsichtsratschefs Karl-Ludwig Kley im Sommer 2020 Insolvenz anmelden müssen.

Für die Beschäftigten ist die Staatsbeteiligung ein zweischneidiges Schwert. Mira Neumaier, Bundesfachgruppenleiterin Luftverkehr bei Verdi, sagte am Montag gegenüber jW, grundsätzlich sei der Einstieg des Bundes wichtig gewesen, da den Arbeiterinnen und Arbeitern in der Krise eine Perspektive eröffnet und das Unternehmen vor der Pleite gerettet wurde. Jedoch habe die Konzernspitze im gleichen Atemzug Tochterunternehmen wie die »Lufthansa-Technik« abgestoßen und trotz Staatshilfen und Kurzarbeitergeld die Ausgliederung des Ferienfliegers »Eurowings Discover« vorangetrieben.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

Die Buchlesewoche der Tageszeitung junge Welt vom 20. bis 23. Oktober. Alle Infos hier!