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Aus: Ausgabe vom 04.08.2021, Seite 5 / Inland
Entgeltspaltung

Arme Haushalte büßen mehr ein

Während der Pandemie häufiger Einkommensverluste bei wirtschaftlich schlechter Gestellten
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Die Sorgen um eine »steigende soziale Ungleichheit« haben weiter zugenommen.

Die soziale Ungleichheit hat während der Pandemie weiter zugenommen. Das bestätigt eine aktuelle Studie der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Sie stützt sich auf eine Erwerbspersonenbefragung, die seit April letzten Jahres bereits zum fünften Mal durchgeführt wurde, und zwar zwischen Mitte Juni und Anfang Juli.

Zwar seien die Belastungsgefühle seit dem Lockdown im Januar zurückgegangen. Im Juli gaben 19 beziehungsweise 28 Prozent der Befragten an, sich in der familiären und der Gesamtsituation »äußerst« oder »stark« belastet zu fühlen – neun bzw. zwölf Prozentpunkte weniger als im Januar. Nach Analyse der Wissenschaftler sei dies darauf zurückzuführen, dass insbesondere Familien durch Lockdown und Homeschooling stark betroffen waren. Auch die Angst vor Arbeitslosigkeit sei zurückgegangen: Während im Sommer 2020 noch elf und im November sogar 13 Prozent der Befragten Sorge hatten, pandemiebedingt ihren Arbeitsplatz zu verlieren, waren es Anfang Juli 2021 acht Prozent.

Andererseits ist die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Politik stark gestiegen. 59 Prozent der im Juli Befragten »äußerten sich unzufrieden über die aktuelle Antikrisenpolitik der Bundesregierung«. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als im November und 26 Prozentpunkte mehr als im Sommer 2020.

Zur größeren Unzufriedenheit dürfte beigetragen haben, dass die Pandemie »Lücken im sozialen Sicherungssystem« offengelegt hat, nicht alle Menschen werden etwa gleichermaßen vor pandemiebedingten Einkommenseinbußen geschützt. Insgesamt gaben rund 53 Prozent der Befragten bei dieser oder einer der vorherigen Befragungen an, Einbußen beim Haushaltseinkommen erlitten zu haben. Dabei mussten Personen, die bereits vor der Pandemie über ein niedrigeres Einkommen verfügten, besonders häufig Verluste verzeichnen. So berichteten 60 Prozent der Befragten, die angaben, vor der Pandemie über ein Haushaltseinkommen unterhalb von 2.000 Euro netto monatlich zu verfügen, über finanzielle Verluste. Dagegen waren es bei den Personen mit einem Haushaltseinkommen von mehr als 4.500 Euro 49 Prozent. Dazu passt, dass fast unverändert knapp 90 Prozent der Befragten sich Sorgen über eine »steigende soziale Ungleichheit« machen.

Die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch, schlussfolgerte aus den Ergebnissen: Die »Sicherungsmechanismen des Sozialstaats dürfen infolge der Pandemie nicht geschwächt werden, etwa mit der Begründung, es sei kein Geld mehr da«. Sie sollten im Gegenteil »gestärkt und auch für diejenigen zugänglich gemacht werden, die bislang nur lückenhaft geschützt sind«, erklärte die Soziologin am Dienstag.

In bezug auf die Kinderbetreuung scheinen die geschlechtsspezifischen Differenzen gewachsen zu sein. Im Juli gaben 69 Prozent der Frauen, aber nur sieben Prozent der Männer an, den überwiegenden Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen. Das ist für die Frauen der höchste Wert, der im Rahmen der Erwerbspersonenbefragung seit Frühling 2020 erhoben wurde. (jW)

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  • Leserbrief von René Osselmann aus Magedeburg ( 5. August 2021 um 11:06 Uhr)
    Man muss kein Hellseher sein, um festzustellen, dass die Kosten der Pandemie und die aktuelle Preisentwicklung zu Lasten der Geringverdiener, Hartz-IV-Bezieher, Aufstocker, Menschen mit Grundsicherung oder Minirente gehen. Schon jetzt ist zu erkennen, dass diese Menschen die aktuell steigende Inflation zahlen müssen, und das zeigt deutlich, wohin die Entwicklung geht! Es interessiert keinen in der Bundesregierung oder von den ambitionierten eventuellen künftigen Bundeskanzler(inne)n, hier wird billigend die weitere Verarmung in Kauf genommen, während Multimillionäre und Milliardäre vor Lachen nicht in den Schlaf kommen!
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred B. aus Mainz ( 4. August 2021 um 01:58 Uhr)
    Warum ist in dem Artikel von einer »Pandemie« die Rede? Warum wird suggeriert, Einkommenseinbußen und Arbeitsplatzverluste wären »pandemiebedingt« geschehen? Wir wissen seit mehr als 15 Monaten, dass COVID-19 das Etikett »Pandemie« vorzeitig bzw. unberechtigt umgehängt wurde, einfach weil die WHO an der Begriffsdefinition gedreht hatte (wie sie es auch mit der »Herdenimmunität« getan hat), und dass COVID-19 in der Folge praktisch KEINE Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte. Wie auch? Bei den paar Erkrankten und den 30.136 Verstorbenen (im Jahr 2020) im Durchschnittsalter von über 80 Jahren – also weit jenseits des Rentenalters? Einkommenseinbußen und Arbeitsplatzverluste sind praktisch AUSSCHLIESSLICH Folge der voreiligen, übervorsichtigen, unverhältnismäßigen, plain überzogenen und/oder zu spät (oder gar nicht) zurückgezogenen Maßnahmen zur Bekämpfung einer (Schein-)Pandemie – und hier insbesondere der Nonsens-Quarantäne-Verhängungen – oder der verspäteten, unzureichenden oder gleich ganz ausbleibenden Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung, der Landesregierungen und zuletzt auch des Gesetzgebers. Wie sollen wir den Klassenkampf führen, wenn Ihr ihn medial mit dem »Pandemie«-Geschwurbel der faschistoiden Bundesregierung vernebelt??? Manfred Bartl

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