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Aus: Ausgabe vom 30.07.2021, Seite 11 / Feuilleton
Film

Biblische Rache

In Guy Ritchies neuem Film »Cash Truck« holt sich Jason Statham zurück, was ihm genommen wurde
Von Raphaël Schmeller
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Kommt mit jeder Situation zurecht: Jason Statham als »H«

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das biblische Gesetz ist eindeutig: Gleiches muss mit Gleichem vergolten werden. Dieser Auffassung ist auch Patrick Hill, Spitzname »H« (Jason Statham), in Guy Ritchies neuem Film »Cash Truck« – einem Remake des französischen Streifens »Le Convoyeur« (2004). Der von der Geldtransporterfirma Fortico rekrutierte Mann ist nicht gekommen, Mitarbeiter des Monats zu werden. Obwohl ihm auch das schnell gelingt. Bei einem seiner ersten Einsätze rettet er den Kollegen Haiden Blaire, genannt »Bullet« (Holt McCallany), indem er die Gangster, die Bullet als Geisel genommen und den Geldtransporter überfallen haben, mit eiskalter Leichtigkeit einen nach dem anderen abknallt. Spätestens an dieser Stelle, nach knapp 25 Minuten, wird dem Zuschauer klar, dass »H« eine alte Rechnung zu begleichen hat.

Weniger eindimensional

Irgend jemand verheimlicht ihm Informationen. An die muss er herankommen. Nachdem »H« mit seiner Arbeitskollegin Dana Curtis (Niamh Algar) geschlafen hat, entdeckt er bei ihr ein Versteck mit einem Haufen Geld und verdächtigt sie, ihm etwas zu vorzuenthalten. Curtis behauptet, das Geld habe sie als Altersvorsorge aus einem Schnapsladen geklaut. »H« verschont sie.

Bis hierhin liegt Guy Ritchie richtig. Die erste Hälfte des Films baut rasch eine fesselnde Spannung auf. Jason Statham – in seiner nach »Bube, Dame, König, grAS« (1998), »Snatch – Schweine und Diamanten« (2000) und »Revolver« (2005) vierten Zusammenarbeit mit dem britischen Regisseur – spielt seine Rolle (noch) nüchterner und zurückhaltender, gleichzeitig weniger eindimensional als üblich. Im Mittelteil gibt es einen zu lang geratenen Flashback, der zu erklären versucht, was »H« umtreibt. Und der Plot ist, man hat es befürchtet, einfallslos: Fünf Monate bevor er bei Fortico anheuert, ist »H « mit seinem Sohn Dougie unterwegs und wird von seinen Komplizen überredet, für einen Überfall einen Geldtransporter zu identifizieren. Der wird dann aber von einer anderen Bande überfallen, die sich als Bauarbeiter verkleidet hat. Dabei wird Dougie, der im Auto geblieben war, von einem der Gangster getötet. Als »H« die Schüsse hört und zum Auto rennt, schießt man auch ihn über den Haufen. Er überlebt, will Rache. Rache nicht allein als Selbstjustiz, sondern als eine Art Brachialtherapie, den Verlust des Sohnes zu bewältigen.

Es beginnt eine lange Suche nach den Tätern, die in dieser Ausführlichkeit überflüssig ist. Vor allem, weil die Suche hauptsächlich aus brutalen Folterszenen besteht, die unnötig detailliert ausgebreitet werden. Schließlich erlangen »H« und seine Komplizen dadurch keine brauchbaren Informationen. Es muss also ein »Inside job« her: »H« hofft, dass ihm die Täter bei seiner neuen Arbeit für die Geldtransporterfirma in die Arme laufen.

Wie erwartet, kommt es zu einem langen Showdown zwischen »H« und seinen Gegnern, bei dem die Spannung sich lediglich aus der Frage speist, wer am Ende die Apokalypse überlebt. Der finale Bösewicht, der Exsoldat und Psychopath Jan, wird von Clint Eastwoods Sohn Scott Eastwood recht gut gespielt.

Es knallt ordentlich

»Cash Truck« ist eine Mischung aus Thriller, Rachefilm und auch Heist-Movie. Die Inszenierung ist sehr maskulin, Frauen tauchen nur selten in kleineren Rollen auf. Auch die Erzählung hangelt sich an Männlichkeitsbildern entlang: Es geht um Väter, Söhne und männliche Exsoldaten, die von ihren Erfahrungen aus Afghanistan frustriert sind. Der Film spielt in Los Angeles, doch die Stadt selbst spielt keine große Rolle, Ort der Handlung könnte auch eine andere Metropole sein. Es ist nicht Guy Ritchies bester Film, er könnte schwarzen Humor vertragen, der Flashbackteil ist misslungen. Doch »Cash Truck« ist wenigstens kein völlig dumpfer Actionblockbuster. Die Erzählung ist logisch, es knallt ordentlich.

Konsequent zieht sich der alttestamentarische Rechtssatz bis zum Ende durch. »H« holt sich von seinem Feind zurück, was seinem Sohn genommen wurde: »Ich will nicht das Geld. (…) Ich will deine Leber, deine Lungen, deine Milz, dein Herz.«

»Cash Truck«, Regie: Guy Ritchie, USA/UK 2021, 119 Minuten, Kinostart: Bereits angelaufen

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