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Aus: Ausgabe vom 29.07.2021, Seite 2 / Inland
Nach Hochwasser in Westdeutschland

Aufarbeitung läuft an

NRW-Innenausschuss tagt zu Flutschäden. UNESCO warnt vor Gefahren
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Der Rhein-Erft-Kreis war von schweren Überflutungen betroffen (Erftstadt, 17.7.2021)

Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hat am Mittwoch vor der Bedrohung von Welterbestätten durch die Folgen der Erderwärmung gewarnt. Die Präsidentin der deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer, sagte der Deutschen Presseagentur im chinesischen Fuzhou, die Gefahren ließen sich auch an der Flutkatastrophe im Westen der Bundesrepublik vor rund zwei Wochen ablesen.

Mit dieser befasste sich am Mittwoch der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags. Bei den Überflutungen sind demnach allein in dem bevölkerungsreichsten Bundesland 47 Menschen gestorben. Mittlerweile werde niemand mehr vermisst, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) bei der Sitzung. Die von der Flut verursachten Sachschäden gingen jedoch »in die Milliarden«. Versorgungsnetze für Strom, Gas, Trinkwasser und Telekommunikation seien von der Zerstörung betroffen, so Reul. Derzeit befänden sich noch mehr als 3.000 Helfer von verschiedenen Organisationen im Einsatz.

Trotz fortgeschrittener Aufräum- und Reparaturarbeiten seien weiter 5.000 bis 6.000 Menschen ohne funktionierende Stromversorgung. Bis Mittwoch seien bis zu 11.000 Festnetzanschlüsse von Vodafone, 40.000 Anschlüsse der Telekom sowie 20.000 Mobilfunkanschlüsse ausgefallen, sagte der Minister. Teilweise sei auch die reguläre Trinkwasserversorgung noch nicht wiederhergestellt.

Nach Informationen der Landesregierung in Mainz starben bei den Fluten in Rheinland-Pfalz 134 Menschen, 73 weitere galten noch als vermisst. Auch dort wurden Ortschaften verwüstet und ein Großteil der Infrastruktur zerstört. Nach Angaben des Landeskrisenstabs seien noch mehr als 5.000 Helfer im Einsatz und in schwer von Zerstörung betroffenen Gemeinden besonders bei der Verteilung von Lebensmitteln und Trinkwasser beschäftigt. Im Ahrtal seien Bundeswehr und Technisches Hilfswerk an der Errichtung von Behelfsbrücken beteiligt. Laut Bundeswehr befinden sich im Rahmen der Aufräum- und Hilfsarbeiten rund 2.000 Soldaten in Rheinland-Pfalz und NRW.

In Düsseldorf verteidigte NRW-Innenminister Reul den Katastrophenschutz in der BRD, fügte jedoch an, bei 47 Toten könne »nicht alles richtig gelaufen« sein. Auch das Warnsystem habe funktioniert. Städte und Kreise hätten in NRW zwischen Dienstag nachmittag und Mittwoch morgen 41 Warnmeldungen herausgegeben. (dpa/AFP/jW)

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin ( 3. August 2021 um 16:14 Uhr)
    Angesichts des verheerenden Ausmaßes der Verwüstungen wäre es doch naheliegend, mal endlich über die Ursachen öffentlich zu diskutieren. Darüber lese ich aber kein einziges Wort in dem Artikel und vernehme auch ansonsten nicht eben viel Konkretes in den Mainstreammedien. Also mal wieder weiter so wie bisher: Ignoranz und Verdrängung statt Einsicht und Veränderung. Alle sehen sich ausschließlich als Opfer; Mittäter will keiner (gewesen) sein. Der destruktive Lebensstil der »Moderne« bleibt auch weiterhin sakrosankt. Es gilt lediglich, ihn künftig technisch noch »smarter« abzusichern.
  • Leserbrief von Christian Helms aus Dresden (29. Juli 2021 um 11:33 Uhr)
    In den Untersuchungsausschüssen und Medienberichten wird die Erderwärmung für die Flutschäden verantwortlich gemacht. Nicht erwähnt wird die Versiegelung von naturnahen Flächen. Dabei haben in den letzten 50 Jahren in der Bundesrepublik die Siedlungs- und Verkehrsflächen um mehr als 50 Prozent zugenommen. In diesem Umfang ohne zwingende Notwendigkeit. Denn seit Jahrzehnten ist die Bevölkerungszahl nahezu gleich geblieben. Aber noch immer werden täglich 52 Hektar Landwirtschaftsflächen und Wald bebaut. Obwohl die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung fordert, den Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag zu beschränken. Ungeachtet solcher Vorgaben und des weltweit voranschreitenden Klimawandels wird in der Bundesrepublik die Natur weiterhin hemmungslos »verwertet«. Ganz abgesehen von dem damit verbundenen Ressourcenverbrauch und den dabei freigesetzten CO2-Emissionen. Doch Ursachen, die das allein auf Wachstum und Konsum fixierte politische und wirtschaftliche System in Frage stellen, werden nicht benannt. Weder von den Untersuchungsausschüssen noch von den Leitmedien.

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