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Aus: Ausgabe vom 28.07.2021, Seite 16 / Sport
Fanrechte

Überwachtes Stadion

Betreiber und Berlins Innensenat rechtfertigen »Sicherheitsumbau«. Fanhilfe Hertha BSC kritisiert späte Auskunft und »Dauerlösungen«
Von Oliver Rast
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Soll offenbar zur Dauerlösung werden: Fußballarena im Belagerungszustand (Berlin, 22.5.2020)

Druck machen, auch über Presseartikel. Das hilft bisweilen. Wie in diesem Fall. Beide Adressaten meldeten sich, wenn auch verspätet: die landeseigene Betreibergesellschaft Olympiastadion Berlin GmbH und die für den Sport zuständige Senatsverwaltung für Inneres. Erstere bei der Fanhilfe Hertha BSC, letztere bei jW.

Der Hintergrund: Am Montag berichtete jW exklusiv über den Fragenkatalog der Fanhelfer zu »sicherheitstechnischen Umbauplänen« in der Arena im Kontext der »Euro 2024« hierzulande. Der geschäftsführende Betreiber, Timo Rohwedder, hatte zuvor aufhorchen lassen. Im Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hatte er »mannshohe Drehsperren« und eine »neue Kameratechnik« angekündigt – ganz nonchalant. Pläne, die wiederum die Herthaner auf den Plan riefen. Grundrechte wegen Totalüberwachung stünden zur Disposition.

Betreibergesellschaft und Innensenat beschwichtigen unisono. Weitere Maßnahmen über die von Rohwedder erwähnten hinaus seien nicht vorgesehen, so ein Sprecher der Innenverwaltung zu jW. Dabei handele es sich aber »um dauerhafte Lösungen«. Automatisierte Gesichtserkennungen zwecks biometrischer Nachverfolgung würden mit der »modernen Kameratechnologie« nicht gemacht. Der Austausch der bisherigen Kameras mit analoger Technik aus dem Jahr 2004 sei nötig, Reparaturen unmöglich. Und der Innensenatssprecher versichert: »Im Ruhebetrieb« würden keine Daten seitens der Betreiber gespeichert. Einräumen muss er folgendes: Art und Umfang der Datenspeicherung einschließlich der -verarbeitung bestimmt die Berliner Polizei.

Halbwegs zufrieden, Fanhilfe? Offenbar nicht. Inhaltlich scheint die Betreibergesellschaft die Position des Innensenats nur zu bestätigen. Und dafür brauchte deren Geschäftsführer zehn Tage, ärgerte sich Fanhelfer Fritz Müller am Dienstag im jW-Gespräch. »Professionalität und Ernsthaftigkeit« des Dialogs zwischen Anhängern und Stadionbetreibern sähen anders aus. Die Fanaktivisten pochen weiterhin auf einen temporären Einbau der Drehkreuze, »niemand braucht diese Abschreckung samt Extraausgaben im Normalbetrieb«, so Müller weiter. Und noch etwas ist klar: Der Einsatz von Videoüberwachung sei grundsätzlich kritisch zu bewerten. Und wo es möglich ist, »muss diese zurückgebaut werden«.

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