3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Mittwoch, 29. September 2021, Nr. 226
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 24.07.2021, Seite 7 / Ausland
Irans Ölexport

Am Flaschenhals vorbei

Neues iranisches Ölterminal umgeht Straße von Hormus. US-Regierung plant schärfere Sanktionen
Von Knut Mellenthin
2021-07--OIL-GULF.JPG
Neues Ölterminal am Golf von Oman: Iranische Öltanker müssen nicht länger die Straße von Hormus durchqueren (21.12.2018)

Die iranische Regierung hat am Donnerstag am Golf von Oman ein neues Terminal für den Erdölexport eingeweiht. Es sei »ein großer und historischer Tag«, sagte Präsident Hassan Rohani in seiner Ansprache per Video. Denn die neuen Anlagen ermöglichen es dem Iran, Erdöl unter Umgehung der Straße von Hormus zu verschiffen. Die geostrategisch brisante Meerenge ist eine der wichtigsten Schiffahrtsrouten der Welt und könnte bei Konflikten schnell geschlossen werden. Es wurde eine rund 1.000 Kilometer lange Pipeline gebaut, die die großen Vorkommen im Nordwesten des Landes mit dem neu errichteten Terminal in der Provinz Sistan und Belutschistan im Süden verbindet. Nach ihren Anfangs- und Endpunkten wird die Leitung als Goreh-Dschask-Pipeline bezeichnet. Der Bau dauerte ungefähr zwei Jahre, die Gesamtkosten werden mit rund 2,2 Milliarden US-Dollar beziffert.

Das neue Terminal startete iranischen Presseberichten zufolge mit einer Förderkapazität von 300.000 Barrel pro Tag (bpd) und soll während des laufenden persischen Jahres – das nach gregorianischem Kalender im März 2022 endet – eine Kapazität von einer Million bpd erreichen. Zum Vergleich: Bevor US-Präsident Donald Trump 2018 völkerrechtswidrig die Sanktionen gegen den Iran reaktivierte, auf deren Anwendung sein Vorgänger Barack Obama im Wiener Abkommen vom 14. Juli 2015 verzichtet hatte, exportierte Iran bis zu 2,5 Millionen bpd.

In seiner Ansprache am Donnerstag wiederholte Rohani seine Behauptung, er hätte schon im März die Aufhebung aller wichtigen US-Sanktionen, insbesondere gegen den Ölexport, erreichen können, wenn ihm das Parlament nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte: Die Abgeordneten hatten am 1. Dezember 2020 ein Gesetz beschlossen, das die Regierung zur schrittweisen Ausweitung des zivilen Atomprogramms verpflichtet, solange die westlichen Strafmaßnahmen fortbestehen. Der Präsident hatte diesen Vorwurf während einer Kabinettssitzung am 14. Juli erstmals öffentlich erhoben. Beweise für diese Theorie gibt es jedoch nicht. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Anmerkung von Regierungssprecher Ali Rabiei, der am Dienstag erwähnte, ein »Memorandum«, in dem Rohanis Verhandlungslinie dargestellt worden war, sei vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat zurückgewiesen worden, da es nicht dem Gesetz vom 1. Dezember entspreche.

Anfang August wird Rohanis Nachfolger Ebrahim Raisi in einem traditionellen Ritual, das sich über mehrere Tage erstreckt, das Präsidentenamt übernehmen. Inzwischen ist eindeutig und amtlich bestätigt, dass die Anfang April begonnenen, seit dem 20. Juni unterbrochenen Verhandlungen über die Rückkehr der USA in das von Trump einseitig gekündigte Wiener Abkommen erst wiederaufgenommen werden, wenn Raisi sein außenpolitisches Team zusammengestellt hat, was wohl frühestens Mitte September der Fall sein wird.

Zugleich scheint US-Präsident Joseph Biden, unter dem doch alles anders werden sollte als unter Trump, den Druck auf den Iran erhöhen zu wollen: Die Tageszeitung Wall Street Journal, die den Republikanern nahesteht, berichtete am Montag, die Biden-Regierung plane eine verschärfte Anwendung der Sanktionen, falls die Gespräche in Wien scheitern sollten. Hauptziel werde es dabei sein, staatliche und private chinesische Unternehmen als weltweit bedeutendste Käufer von iranischem Erdöl einzuschüchtern und abzuschrecken. Die Erzählung des Wall Street Journals berief sich allerdings nur auf nicht namentlich genannte »Quellen«. Das Blatt behauptete in diesem Zusammenhang, Iran liefere gegenwärtig rund eine Million Barrel Erdöl pro Tag in die Volksrepublik. Das läge weit über bisherigen Schätzungen.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

  • Konflikt: Zahlreiche Beschäftigte fördern und verarbeiten nichts...
    20.07.2021

    Landesweiter Streik

    Immer mehr Arbeiteraktionen in der iranischen Gas- und Erdölindustrie. Unterstützungsfront im gesamten Land
  • Einnahmequelle: Machen ordentlich Tempo bei der Energieversorgun...
    25.05.2021

    Schneller Leitungsbau

    Iran meldet Fertigstellung von Ölpipeline. Neue Perspektiven für den Export

Regio:

Mehr aus: Ausland

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!