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Aus: Ausgabe vom 24.07.2021, Seite 5 / Inland
Ungleiche Ressourcen

Verschärfte soziale Ungleichheit

Studie zu Folgen der Coronapandemie sieht größer werdende Schere zwischen Arm und Reich
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Nicht zu übersehen: Obdachlosigkeit in deutschen Städten

Die Schere zwischen Arm und Reich wird laut einer Studie in Hamburg durch Corona weiter auseinandergehen. Ob Löhne, Vermögen, Bildung oder Gesundheit – »überall deutet sich eine verschärfte soziale Ungleichheit als Folge der Coronapandemie an«, sagte am Donnerstag René Böhme vom Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen, der das Gutachten für die Bürgerschaftsfraktion der Hamburger Linken erstellt hat.

Quasi wie ein Brennglas verstärke die Krise bestehende Entwicklungen. »Das ist keine neue soziale Ungleichheit, sondern es ist eine verschärfte soziale Ungleichheit, die auch schon vor der Pandemie bestand.« Zudem zeige sich eine »Disproportionalität zwischen öffentlicher Armut durch die Aufnahme von Schulden und gleichzeitig einer deutlichen Zunahme von privatem Reichtum«. Bei den Löhnen hätten an- und ungelernte Arbeitnehmer Einbußen von fünf beziehungsweise zehn Prozent hinnehmen müssen, während es in der obersten Leistungsgruppe, bei den herausgehobenen Führungskräften, in Hamburg sogar Zugewinne gegeben habe. Diese Ungleichheit im Lohnbereich sei in der Hansestadt im bundesweiten Vergleich besonders stark ausgeprägt, sagte Böhme. In puncto staatliche Hilfen hätten Kinderbonus und Kurzarbeiterregelung der sozialen Ungleichheit entgegengewirkt, während von der Mehrwertsteuersenkung vor allem Menschen mit genug Geld zum Ausgeben profitiert hätten.

Die Fraktionschefin der Linkspartei, Cansu Özdemir, sagte am Donnerstag: »Wir wollten nicht länger auf den Senat warten und haben eine eigene Studie in Auftrag gegeben, die die soziale Dimension in den Mittelpunkt rückt, um künftig Menschen davor zu schützen, weiter abgehängt zu werden.« Auch kritisierte Özdemir, dass Frauen von den Folgen der Pandemie besonders hart betroffen seien, jedoch das Thema Geschlechterungleichheit bei Hilfsmaßnahmen »faktisch ignoriert« werde. Auch das Portal gegen-hartz.de wies auf diesen Punkt hin: Alleinerziehende und Kinder seien schon vor der Pandemie besonders stark von Hartz IV und Armut betroffen gewesen. Ihre Situation habe sich aufgrund von Preissteigerungen und dem Wegfall von Kita- und Schulessen noch einmal verschärft. Besonders stark sei aber vor allem der Anteil der Singlehaushalte sowie der Haushalte ohne Kinder unter den Hartz-IV-Betroffenen gestiegen.

Stephanie Rose, sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, forderte, zur Bewältigung der Coronafolgen müssten »Reiche zur Kasse gebeten werden«. Außerdem seien eine behördenübergreifende Antiarmutsstrategie und der Ausbau sozialräumlicher und quartiernaher Beratungs- und Unterstützungsstrukturen nötig. (dpa/jW)

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