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Aus: Ausgabe vom 23.07.2021, Seite 16 / Sport
Olympia

Tokio steril. Ein Kommentar von Andreas Müller

Von Andreas Müller
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Ob sich wohl ein Coronavirus auf die Tischtennisplatte verirrt hat? (Tokio, 22.7.2021)

Mancher glaubt an Sommerspiele im »Pandemienotstandsgebiet« Tokio erst, wenn das olympische Feuer dort an diesem Freitag tatsächlich entzündet sein wird. Sogar Organisationschef Toshiro Muto schließt die Absage des weltgrößten Sportfestes in letzter Minute nicht aus: »Wenn es einen kräftigen Anstieg gibt, werden wir darüber diskutieren«, sagte er noch am Dienstag angesichts der Infektionslage in der fast 40 Millionen Einwohner zählenden Metropolregion; allein im unmittelbaren olympischen Umfeld gab es bisher sechs Dutzend Coronaausbrüche. Sollten die Spiele tatsächlich stattfinden, werden es die traurigsten und leblosesten in der Geschichte sein. Keinerlei buntes Treiben in der Ausrichterstadt, statt dessen »Tokio steril« in einer Megablase mit schweren Restriktionen. Es werden keine Zuschauer in den Arenen sein, der Flair im olympischen Dorf wird ausbleiben. Statt dessen Isolation der Teilnehmer, die vorsichtshalber ­zahlreiche Würfel-, Karten- und Brettspiele im Gepäck haben.

Besser so als gar nicht, besser gar nicht als so – zwischen diesen beiden Antipoden bewegt sich die Diskussion über die um ein Jahr verschobenen Spiele. Athleten, die in ihrem sportlichen Leben einmal einen olympischen Wettkampf bestreiten möchten, werden aufatmen. Sie sind glücklich, wenn die Spiele 2020 nicht ausfallen. Ein Pfund, mit dem vor allem das Internationale Olympischen Komitee (IOC) immer und überall wuchert und damit geschickt wirtschaftliche Interessen verknüpft. Vermutlich weiß nur IOC-Präsident Thomas Bach um das komplexe, milliardenschwere Einnahmengeflecht aus Sponsorengeldern und dem Verkauf von TV-Rechten. Quellen, die nur bei Austragung sprudeln und elementar sind, weil angeblich neun Zehntel der Erlöse an die olympische Familie fließen. Bedürftig sind selbst Verbände aus reichen Ländern, wie beispielsweise der Fall der Deutschen Eislaufunion (DEU) zeigt. Denn damit deutsche Eiskunstläufer im kommenden Winter in adretten Kostümen auflaufen können, brauchte es eine Sammelaktion. Katarina Witt gab noch etwas dazu, damit 15.000 Euro zusammenkamen.

Ein vormals glänzender Verband als Notfall und Mahnung für andere, denn bei Olympia geht es nicht nur um Medaillen für einzelne Akteure, sondern auch um Fördermillionen für deren Sportarten. Nüchtern betrachtet sind die Spiele stets eine internationale Messe des Spitzensports, bei der »Team Germany« seit Platz zwei dank DDR-Erbe 1992 in Barcelona anschließend im Nationenranking sukzessive abrutschte. Zuletzt 2016 in Rio stand Platz fünf zu Buche (17mal Gold, zehnmal Silber, 15mal Bronze), 2012 in London Platz sechs (elf, 20, 13), 2008 in Beijing Platz fünf (16, elf, 14), 2004 in Athen Rang sechs (13, 16, 20), 2000 in Sydney Platz fünf (13, 17, 26), während es 1996 in Atlanta noch zu Rang drei gereicht hatte (20, 18, 27).

Insgesamt stehen vom 23. Juli bis 8. August 339 Medaillenentscheidungen in 33 Sportarten auf dem Programm. Neu dabei sind Karate, Skateboard, Sportklettern und Surfen. Baseball und Softball erleben ein Comeback. Ein Novum für die deutsche Delegation ist, dass ihr mit Alfons Hörmann ein Mann auf Abruf vorangeht. Nach zahlreichen Vorwürfen will der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach Tokio den Weg für vorgezogene Neuwahlen des Präsidiums im Dezember freimachen.

Hörmanns Leistungssportdirektor Dirk Schimmelpfennig schraubte die Medaillenerwartungen schon mal herunter. »Die internationalen Prognosen weisen eher auf ein schwächeres Abschneiden als in Rio hin«, sagte er dpa. Acht bis zehn Medaillen weniger als 2016 und Rang zehn im Medaillenspiegel prophezeit ein US-amerikanischer Analysedienst den insgesamt 434 für Deutschland startenden Athletinnen und Athleten in Tokio.

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