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Aus: Ausgabe vom 21.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Eliteschüler des Tages: Boris Johnson

Von Michael Merz
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Gepflegt unkonventionell: Der britische Premierminister Boris Johnson ist 100 Prozent britische Eliteklasse (Dewsbury, 18.6.2021)

Die britische Schriftstellerin A. L. Kennedy sinnierte kürzlich in der Süddeutschen, wo denn ihr England geblieben sei, das Land der großen Musik, der ebensolchen Geschichten. Überall kämen nur noch »Rassisten, Hooligans und durchgeknallte Eliteschüler« zum Zug. Zu letzteren ist Premier ­Alexander Boris de Pfeffel Johnson am ehesten zu zählen. Seine Herkunft hat er stets mit Clownsauftritten gut übertünchen können, fährt mit dem Fahrrad durch die Stadt oder hält die Fish-and-Chips-Tüte für die Fotografen bereit. Doch Johnson ist ein nicht zu unterschätzender Vertreter seiner Klasse: Geboren in New Yorks feiner Upper East Side als Sohn einer Familie mit zahlreichen Adelsverästelungen bis hin zur AfD-Trompete Beatrix von Storch, besuchte er die teuersten Internate und gab dort den Zampano. Schon als kleiner Junge habe Johnson »der König der Welt« werden wollen, wie seine Schwester einst kolportierte.

Einem solch Wohlbegüterten mit Hang zum Größenwahn ist es egal, was drumherum passiert. Insofern sind das Hü und Hott der britischen Coronapolitik und der aktuell eingelegte Normalmodus trotz rasant steigender Infektionszahlen zu verstehen. Im Frühjahr letzten Jahres habe Johnson trotz grassierender Pandemie gar darauf bestanden, seine wöchentliche Audienz bei der 95jährigen Monarchin des Landes weiterhin persönlich abhalten zu wollen, wie sein früherer Adlatus Dominic Cummings der BBC steckte. Schließlich habe der Premier – im März 2020 erkrankte er schwer am Virus und verbrachte mehrere Tage auf der Intensivstation – davon überzeugt werden können, davon Abstand zu nehmen. Wäre es dazu gekommen, hätte er seinen vielen Vorgängern im Amt, die die Queen überlebt hat, wohl ein Schnippchen geschlagen. Und er wäre seinem zu Schulzeiten geäußerten Berufswunsch einen Schritt näher gekommen.

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