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Aus: Ausgabe vom 17.07.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Hühnchen-Ananas-Salat

Von Maxi Wunder

»Ich hätte die Prüfung noch nicht machen dürfen …« Roswitha ist deprimiert. Ihr Level-eins-»Mandarin für Anfänger«-Test war wohl schwieriger als vermutet. Statt eines Huhns schwamm in Roswithas Übersetzung eine Chance im Topf, und beim Rollenspiel hat sie, in der Annahme, ihrem Gegenüber eine Verständnisfrage zu der überreichten Visitenkarte zu stellen, höflich darum gebeten, geküsst zu werden. Ein Klassiker unter den Anfängerfehlern, der dadurch entsteht, dass man beim Aussprechen des Wortes »wèn« die falsche Tonhöhe anschlägt und so aus Versehen »Kuss« sagt statt »fragen«. Dieses Missverständnis sorgt in westlichen Klassen regelmäßig für Heiterkeitsausbrüche.

»Iiii, und hat er dich daraufhin …?« will ich wissen. »Quatsch. Der hat mich brav zurückgefragt, ob ich China mag. Maxi, was heißt Zhóng guó!« – »Keine Ahnung.« – »›China‹! Und ›góng zuò‹?« – »Na … ähh, was?« – »Das heißt ›arbeiten‹! Ich denke also, dass der mich fragt, ob ich gerne arbeite, in Wirklichkeit fragt der mich, ob ich China mag, und ich Trottel antworte: »Ab 5.000 Euro monatlich.« – »O nein!« – »Dann sollte ich noch ein Sprichwort übersetzen: ›Wenn du auch kein Stern am Himmel bist, so sei eine Lampe im Haus‹ …« – Udo mischt sich ein: »Lass mich raten, du hast übersetzt mit: ›Das Kamel steht nicht im Hof, aber es trägt deine Schuhe‹, stimmt’s?« – »Woher weißt du …?« – »Den Kurs habe ich auch mal gemacht. Sagt mal, wollen wir nicht lieber Majakowski lesen? Der ist schon übersetzt. Von Hugo Huppert.« Udo blättert in einem vergilbten Gedichtband aus dem Aufbau-Verlag, Titel »Linker Marsch«: »›Hier strömt das Fabrikvolk – gibt’s bald ein Geplänkel? Hier schmiedet es Lenin zu neuen Attacken. Friss Ananas, Bürger, und Haselhuhn. Musst bald deinen letzten Seufzer tun!‹ … Doll, nicht? Maxi, kann man das wirklich essen, Ananas mit Huhn?«

Kann man: Hühnchen-Ananas-Salat. Zwei Hühnerbrüste von Fettresten befreien und mit dem Saft einer Biozitrone, ihrer abgeriebenen Schale und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer im Kühlschrank zwei Stunden marinieren. Die Hühnerbrüste danach im Dampfgarer je nach Größe 15 bis 20 Minuten garen. Herausnehmen, salzen, erkalten lassen und in kleine Würfel schneiden.

Eine Mayonnaise zubereiten und mit folgenden Zutaten verfeinern: einem TL Senf, einer zerdrückten Knoblauchzehe, einem walnussgroßen Stück feingehacktem Ingwer, einer entkernten, feingeschnittenen Chilischote, dem Saft einer Limette, drei TL Sojasauce und einem EL Mango-Chutney. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Ananas schälen und das Fruchtfleisch in Würfel schneiden. Ananas- und Hühnchenwürfel mit der Mayonnaise mischen. Den Salat im Kühlschrank durchziehen lassen.

Zur Zeit Lenins wurde das Haselhuhn in Russland noch intensiv gejagt, heute gilt der Wildvogel als besonders geschützte Art und darf in Deutschland nicht mehr belästigt werden. Eine Unterhaltung auf chinesisch über Huhn – Jī – könnte übrigens spielend die Themen Disziplin, Jahreszeiten, Disteln, Haarknoten, Überbleibsel, Schweinswale, Grenze, Fußspur, Freudenmädchen, Arzneimittel und Jangtse-Delfin berühren. Je nach Tonhöhe.

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