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Aus: Ausgabe vom 17.07.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Westliche Konzerninteressen

Wie Konzerninteressen Terror fördern

Schwere Vorwürfe gegen mosambikanisches Militär bei Einsatz in Cabo Delgado
Von Christian Selz, Kapstadt
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Ein verletzter Mann wird nach seiner Evakuierung aus einem Flugzeug in der Provinzhauptstadt Cabo Delgados getragen (Pemba, 12.4.2021)

Als im Jahr 2010 in Mosambiks nordöstlichster Provinz Cabo Delgado eines der weltweit größten unterseeischen Erdgasfelder entdeckt wurde, ging das als Erfolgsmeldung um die Welt. Bald schon, so prognostizierten Ökonomen, könnte das bitterarme und chronisch verschuldete Land im Südosten Afrikas seine Entwicklung mit den Einnahmen aus der Förderung des Rohstoffs vorantreiben. Internationale Konzerne standen umgehend bereit, um die Ausbeutung der Vorkommen anzugehen, und versprachen die Schaffung Tausender Arbeitsplätze. Doch ausgezahlt hat sich der vermeintliche Glücksfund für die lokale Bevölkerung bisher nicht – im Gegenteil.

550 Familien seien bisher von ihrem Land und ihren Fischgründen vertrieben worden, um Platz zu machen für einen Industriepark der drei Gasförderprojekte der internationalen Konzerne Total, Eni und Exxon Mobil, wie zwei Mitarbeiterinnen der vor Ort aktiven Organisation »Friends of the Earth Mozambique/Justiça Ambiental« in einem Beitrag für die Onlineplattform von Al-Dschasira im März berichteten. Die Hoffnung auf Arbeitsplätze hat sich derweil kaum ausgezahlt: Für die Arbeiten zum Aufbau der Gasförderung bringen die Konzerne ihr Fachpersonal selbst mit, die hohe Arbeitslosigkeit in der von extremer Armut geprägten Provinz bleibt nahezu unverändert. Für islamistische Milizen vereinfacht das die Rekrutierung neuer Kämpfer.

Die Reaktion des mosambikanischen Staats hat das Problem dann noch weiter verschärft. Cabo Delgado, wo die Revolutionäre der Frelimo 1964 von Tansania aus einmarschiert waren, um das Land im Kampf gegen die portugiesische Kolonialmacht zu befreien, ist über die Jahre zu einer vergessenen Provinz geworden. Für die politische Führung in Maputo schien das 2.500 Autokilometer nördlich gelegene Cabo Delgado lange Zeit weit weg. Mit der Entdeckung der Erdgasfelder änderte sich dies schlagartig. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Amtsinhaber aus den Reihen der chronisch korrupten Regierung persönliche Interessen an den Gasgeschäften haben. Das Militär wird zu deren Durchsetzung eingesetzt und geht dabei mit der Lokalbevölkerung – zu deren Schutz es die Truppen der Europäischen Union ja nun nach offizieller Lesart weiterbilden wollen – nicht gerade fürsorglich um. Die Menschenrechtsorganisation »Human Rights Watch« legte dem Militär in ihrem Jahresbericht 2020 gravierende Menschenrechtsverletzungen zur Last, darunter »Entführungen, Folter, exzessive Gewalt gegen unbewaffnete Zivilisten, Einschüchterung und außergerichtliche Hinrichtungen«. Auch Journalisten, die über die Machenschaften der Konzerne und Militärs berichten, würden immer wieder zur Zielscheibe von Drohungen, Gewalt und Repressionen.

Das brutale Vorgehen des Militärs trägt weiter zur Entfremdung der Lokalbevölkerung von staatlichen Strukturen bei und treibt weitere Menschen in die Arme der Islamisten. »Im Gegensatz zu dem, was die mosambikanische Regierung behauptet, bestehen die bewaffneten Gruppen nicht hauptsächlich aus Terroristen, Extremisten oder Dschihadisten, sondern aus jungen Einwohnern von Cabo Delgado«, zitierte der englischsprachige Dienst der Deutschen Welle am Dienstag die Leiterin des Afrikaprogramms von »Brot für die Welt«, Helle Døssing. Den Konflikt auszuweiten würde »die Lebensbedingungen der Bevölkerung nur verschlechtern«, warnte Døssing. Unterstützt werden die Kritiker der Militärmissionen auch von der Verteidigungsministerin des direkt an Cabo Delgado angrenzen Nachbarlandes Tansania, Liberata Mulamula, die sich Ende Mai klar gegen eine Entsendung von Truppen aussprach und statt dessen Friedensgespräche und Entwicklungshilfe forderte.

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