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Aus: Ausgabe vom 16.07.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Das große Geld

Superreiche machen fest

Buhlen um Milliardäre: Rotterdam will Hafen für Luxussuperyachten errichten. Banker reiben sich die Hände
Von Gerrit Hoekman
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Es ist 139 Meter lang und auf hoher See, das Luxusboot »Solaris« des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch

Sie gehört für russische Milliardäre und Potentaten in den Golfstaaten zum Lebensstil wie ein saftiges, mit Gold überzogenes Steak: die Superyacht! Roman Abramowitsch hat eine, der Sultan von Oman und auch Alischer Usmanow. Die längste besitzt Scheich Khalifa bin Sajid Al Nahjan, der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie heißt »Azzam« und misst stolze 180,61 Meter.

Die Häfen der Welt buhlen um die Gunst dieser reichen Freizeitskipper. Wo sie festmachen, legt das große Geld an. Europas größter Seehafen Rotterdam will jetzt auch in den Wettbewerb einsteigen. »Ein Hafen für Luxussuperyachten soll die neue Touristenattraktion von Rotterdam werden«, frohlockte die Betreibergesellschaft des Hafens bereits im Februar 2019 auf ihrer Internetseite.

Doch wohin mit den schicken Schiffen? Es muss natürlich eine Premiumlage sein. Die Betreibergesellschaft des Hafens schlägt den alten Rijnhaven vor, der als Umschlagplatz längst ausgedient hat. Die Gegend gehört zu einem ehrgeizigen Projekt der Stadtgestaltung. In Sichtweite der modernen Erasmus-Brücke über die Nieuwe Maas soll ein neues Viertel entstehen. Eine Art Minimanhattan. Genau das richtige Ambiente für einen Hafen, in dem die Superyachten der Superreichen anlegen können. Merkwürdig: In den Plänen steht nichts über die Zukunft des alten Arbeiterviertels Afrikaanderwijk, das am Rijnhaven beginnt und so gar nicht ins Bild eines Monte Carlo an der Maas passen will.

Ob es am Ende der Rijnhaven wird, soll nächstes Jahr beschlossen werden. Es gäbe auch noch andere passende Plätze, findet die Consultingfirma Marstat, die mit der Realisierung des Projekts beauftragt ist. In rund fünf Jahren soll die erste Luxusyacht in Rotterdam festmachen. Daran haben auch die sogenannten Drechtsteden ein großes Interesse. Es handelt sich dabei um die Gemeinden Dordrecht, Papendrecht, Zwijndrecht, Sliedrecht, Alblasserdam, Hendrik-Ido-Ambacht und seit 2015 Hardinxveld-Giessendam.

Ein Yachthafen in Rotterdam sei »ein wesentlicher Schritt«, sagte Jaap Paans, der Bürgermeister von Alblasserdam, am Dienstag gegenüber der Rotterdamer Tageszeitung AD. »Unsere Region ist ein wachsender Wirtschaftsfaktor im maritimen Delta von Südholland. Ein Superyachthafen ist ein wesentlicher Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft für die maritime Fertigungs- und Zulieferindustrie in unserem Delta.«

Alblasserdam beherbergt die Oceanco-Werft, die sich auf den Bau von Luxusyachten spezialisiert hat. Der angeblich reichste Mann der Welt, Amazon-Gründer Jeffrey Bezos, soll bei Oceanco einen Dreimasterneubau in Auftrag gegeben haben, glaubt man dem US-amerikanischen Journalisten Brad Stone. Oceanco hält sich selbstredend bedeckt.

In Rotterdam wollen auch andere Branchen an den Milliardären verdienen. Versicherungsmakler, Banker sowie Betreiber von Gaststätten, Nachtklubs und Cateringunternehmen reiben sich bereits die Hände, wenn sie an die festlichen Abendessen an Bord der Luxusschiffe denken. »Ein Yachthafen in Rotterdam, einer international renommierten Stadt, kann dafür sorgen, dass die Schiffe zum Beispiel zur Wartung den ganzen Winter über in den Niederlanden bleiben«, blickt Hein Velema von Marstrat bei AD in eine rosige Zukunft. Einzelnen Milliardären wird vielleicht auch auffallen, wie ungemein günstig das Geschäftemachen in einer der führenden Steueroasen Europas ist.

Das im Krieg schwer zerstörte Rotterdam selbst hat an Sehenswürdigkeiten wenig zu bieten, aber die Umgebung ist schön. Die alten Windmühlen von Kinderdijk und der Nationalpark »De Biesbosch« sind nur einige Kilometer entfernt. Die typisch holländischen Städte Delft, Leiden, Gouda und Dordrecht liegen praktisch gleich um die Ecke, und mit dem Hubschrauber sind es nach Amsterdam nur wenige Minuten. Der Helikopter gehört bei den Superyachten inzwischen zur Standardausstattung.

Um die Marina herum sollen sich Café und Restaurants ansiedeln. »Ein großer Teil des Yachthafens, wie zum Beispiel die Hafenmeisterei, die Gastronomie, die Promenade und das Sonnendeck, ist öffentlich zugänglich, so dass die Besucher die Schiffe aus nächster Nähe betrachten können«, verspricht das Konzept. Das ist sehr großzügig.

Für die Ausgebeuteten, denen die Milliardäre ihren Reichtum verdanken, hat die Rotterdamer Hafengesellschaft auch ein Leckerli: »Durch den Bau und Betrieb der Marina Rijnhaven auf der Westseite des Südufers von Rotterdam werden zweihundert bis tausend Arbeitsplätze geschaffen.« Wer einen der Jobs ergattert und fleißig arbeitet, kann sich vielleicht nach ein paar Jahren ein Boot mit Außenborder leisten. Aber ohne Hubschrauberlandeplatz, versteht sich.

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  • Leserbrief von Peter Groß aus 88690 Uhldingen-Mühlhofen (16. Juli 2021 um 12:52 Uhr)
    Das Ganze hat ja wohl noch einen ganz anderen Vorteil. Die Reichmänner können jenes kristalline Schnupfpulver oder anderes kiloweise direkt im Herkunftsland beziehen und unter die europäische Kumpanei bringen. Da gibt es bisher riesige Gewinnspannen. Wer kontrolliert schon Milliardärsyachten, wenn die Großmogule so ziemlich alle wichtigen Politiker »versorgen«? Nur die armen Drogenabhängigen müssen ihren Stoff weiter vom Dealer beziehen, zu Preisen, bei denen sich mir die Haare sträuben. Was dazu wohl die Mexikaner in Rotterdam sagen?

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