3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Dienstag, 28. September 2021, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 15.07.2021, Seite 7 / Ausland
»Operation Cóndor«

Mörder und Folterer verurteilt

Italien: Gericht bestätigt Schuldsprüche gegen Verbrecher militärfaschistischer Diktaturen Südamerikas
Von Gerhard Feldbauer
heaj.jpg
Demonstrierende mit den Namen von Opfern der argentinischen Militärdiktatur am 24. März 2011, dem 35. Jahrestag des Putsches, in Buenos Aires

Nach 22jährigen Ermittlungen zu heute 40 und mehr Jahre zurückliegenden Verbrechen hat der Kassationsgerichtshof, das Oberste Gericht Italiens, Ende vergangener Woche die Urteile, darunter 14 lebenslange Haftstrafen, gegen mehr als 20 ehemalige Offiziere, Polizisten und andere Täter militärfaschistischer Diktaturen Südamerikas bestätigt. Sieben Verurteilte waren noch während der Verfahren gestorben. Die Ermittlungen hatte die italienische Staatsanwaltschaft auf Antrag von Opferangehörigen 1999 aufgenommen. Im Jahr 2019 waren die 24 Angeklagten in zweiter Instanz bereits zu lebenslanger Haft vor dem Berufungsgericht in Rom verurteilt worden.

Die aus Bolivien, Chile, Peru und Uruguay stammenden Personen waren »wegen Menschenrechtsverletzungen, Mord und Entführung« angeklagt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ANSA. Unter den verfolgten Oppositionellen befanden sich 38 Personen, die auch die italienische Staatsbürgerschaft besaßen. In Argentinien wurden im Zuge der militärfaschistischen Diktatur 1976 bis 1983 nach Schätzung von Menschenrechtsorganisationen 30.000 Menschen verschleppt und ermordet. In Chile waren es unter der Augusto Pinochets von 1973 bis 1990 mindestens 40.000, in Peru von 1964 bis 1985 70.000 und in Bolivien geschätzte 14.700. »Es waren die 1970er Jahr, und der südamerikanische Kontinent wurde von Militärregimes gequält: Jeder, der sich ihnen widersetzte, wurde entführt, gefoltert, getötet und zum Verschwinden gebracht. Es waren die Jahre der Verschwundenen«, kommentierte das linke Manifesto.

Zur Urteilsverkündung befand sich nur der italienisch-uruguayische Marineoffizier Jorge Néstor Troccoli, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, in Italien. Alle anderen Urteile ergingen in Abwesenheit. Troccoli, der dem Geheimdienst der uruguayischen Marine (Fusna) angehörte, war in Argentinien an der Verschleppung, Folterung und Ermordung von Regimegegnern beteiligt gewesen, darunter sechs italienische Staatsbürger. Er wurde am Tag nach dem Richterspruch verhaftet und in das Fuorni-Gefängnis in Salerno gebracht.

Die Nachrichtenagentur Adnkronos zitierte am vergangenen Donnerstag den Generalanwalt, der Anschuldigungen zurückwies, es handle sich um einen »politischen Prozess«. Demnach erklärte er, »die Angeklagten wurden auf Grundlage legitimer juristischer Prinzipien verurteilt«. ANSA verwies darauf, dass die Verurteilten Teil der terroristischen »Operation Cóndor« gewesen seien. Ab den 70er Jahren koordinierte der US-Auslandsgeheimdienst CIA gemeinsam mit Partnerorganisationen der Diktaturen in Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay, Bolivien und Peru die Operation. Ziel war es, Gegner der Regimes zu entführen, zu foltern, zu ermorden oder auch einfach »verschwinden« zu lassen.

Das kommunistische Onlineportal Contropiano betonte am vergangenen Freitag noch einmal, dass die Operation »im Namen des Kampfes gegen den Kommunismus in Lateinamerika« agierte, aber allgemein das Ziel hatte, »linke politische und oppositionelle Kräfte auch weltweit zu verfolgen und zu töten«. Die Mörder und Folterer waren in einem Trainingscamp der US-Armee in Fort Benning in Columbus im US-Bundesstaat Georgia, der »School of the Americas«, ausgebildet worden.

Cristina Mihura, die gemeinsam mit anderen Angehörigen der italienischen Opfer der »Operation Cóndor« 1999 die erste Klage gegen die Verantwortlichen angestrengt hatte, zeigte sich nach der Bestätigung der Urteile gegenüber Contropiano zufrieden. Mihuras Ehemann Bernardo Arnone, ein linker Uruguayer mit italienischen Wurzeln, war nach dem Militärputsch des Armeeoberbefehlshaber Jorge Vileda 1976 nach Argentinien geflohen. In Buenos Aires wurde er entführt und »verschwand« danach spurlos.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

  • Vorauseilender Gehorsam mit langer Bindekraft: Kardinalstaatssek...
    09.04.2021

    Ein Segen für Kriegsverbrecher

    Über »Rattenlinien« verhalf der Vatikan in Kollaboration mit dem US-Geheimdienst nach Kriegsende Zehntausenden Faschisten zur Flucht
  • Joachim Fiebelkorn (l.) in der Uniform der Spanischen Fremdenleg...
    01.12.2018

    Die Schwarze Internationale

    Der deutsche Neonazi Joachim Fiebelkorn war Mitglied der spanischen Fremdenlegion. In Bolivien kommandierte er in den 1970er Jahren eine paramilitärische Einheit. Heute lebt er auf einer Finca in der Nähe von Alicante
  • Prozessbeobachter folgen am Freitag in Buenos Aires der Urteilsv...
    01.06.2016

    Haftstrafen für Folterer

    Argentinisches Gericht verurteilt Exmilitärs und Geheimdienstler wegen »Plan Condor«

Mehr aus: Ausland

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!