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Aus: Ausgabe vom 07.07.2021, Seite 10 / Feuilleton

Hamacher, Böttcher

Von Jegor Jublimov
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Schon in der DDR ein Meister des Films und bildender Kunst: Jürgen Böttcher

Ende der fünfziger Jahre trat der renommierte Defa-Animationsfilmregisseur Will Hamacher aus der SED aus. Grund war die Einmischung der Partei in sein Privatleben. Obwohl er verheiratet war, hatte er sich in seine fast zwanzig Jahre jüngere Kollegin Sieglinde Rüger verliebt. Für einen guten Sozialisten ging das gar nicht! Mit dem Parteiaustritt schien das »Problem« erledigt – der Zeichentrickfilmer arbeitete weiter und machte aus seiner Kollegin seine Ehefrau Sieglinde Hamacher. Die Dresdnerin, die am Sonntag 85 Jahre alt geworden wäre – sie starb Ende vergangenen Jahres –, wollte eigentlich Bühnenbildnerin werden, ging dann aber zum neugegründeten Dresdner Trickfilmstudio. Der erste Film, an dem sie 1956 als Phasenzeichnerin mitarbeitete, war »Petz, der Bär«. »Ich war gewohnt, mit großem Pinsel auf riesigen Formaten zu arbeiten«, erzählte sie. »Und hier musste ich plötzlich auf kleinen weißen Papierblättchen winzige Zeichnungen machen: Igelchen, Bärchen, Mäuschen, Ferkelchen. Furchtbar!« Nach der Arbeit an weiteren Filmen wollte sie umsatteln, um Dramaturgin zu werden und absolvierte ein Fernstudium in Leipzig. Doch 1971 fand sie als Regisseurin der satirischen Trickfilmreihe »Vater und Familie« ihre Berufung. Auf Festivals in Zagreb und anderswo entdeckte sie, dass Animationsfilm alles andere als konventionell sein konnte. Sie entwickelte in den achtziger Jahren ästhetisch eigenwillige, parabelhafte Allegorien. »Okkupation«, einer ihrer letzten Filme von 1990 erzählt von einem kleinen Mann, der einem zunächst freundlichen großen begegnet, der ihn immer stärker dominiert und am Schluss vertreibt. Hier nahm sie vorweg, was vielen DDR-Bürgern in den kommenden Jahren widerfahren sollte.

In jungen Jahren traf sie in einer Volkshochschulklasse mit A. R. Penck zusammen, dessen Bilder ihr Lehrer Jürgen Böttcher in den Himmel hob. Das hat sie Böttcher lange nicht verziehen. Dabei haben sich ihre Kunstauffassungen im Laufe der Jahre immer mehr angenähert. Dokumentarfilmer Jürgen Böttcher und sein malendes Alter ego Strawalde (nach dem Oberlausitzer Ort, in dem er aufwuchs) galten trotz gelegentlich unterschiedlicher Kunstauffassungen schon in der DDR als Meister auf den Gebieten Film und bildende Kunst. Nach dem Kunststudium in Dresden hatte Böttcher in Babelsberg Regie studiert. »Ofenbauer« (1962), »Der Sekretär« (1967), »Wäscherinnen« (1972) und »Rangierer« (1984) sind nur wenige der Filmtitel, mit denen er auch international berühmt wurde. Sein 90. Geburtstag am Donnerstag wird vielfach gewürdigt, so im Programm des MDR, der am selben Tag einen Porträtfilm über den Künstler zeigt. In der Nacht zu Samstag läuft dort »Jahrgang 45«, der einzige Spielfilm des Künstlers; ein Meisterwerk, für das er 1965/66 Prügel erhielt und danach – leider! – keinen weiteren Spielfilm mehr realisierte. Vielleicht erzählt er etwas darüber, wenn er am 20.7. beim Defa-Hofkino am Franz-Mehring-Platz zu Gast sein wird.

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