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Aus: Ausgabe vom 09.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Kampf um Absatzmärkte

Von Simon Zeise
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Chinas Handelspläne bedrohen die Profitmargen deutscher Konzerne

Wieder einen Titel verspielt. Die deutschen Maschinenbauer sind nicht mehr Exportweltmeister.

China hat ihnen den Rang abgelaufen. Beijings erklärtes Ziel ist es, nicht mehr die verlängerte Werkbank des Westens für allerhand blinkenden Nippes, goldene Winkekatzen, IKEA-Möbel oder Textilien zu sein. Mit der Strategie »Made in China 2025« und dem 14. Fünfjahresplan strebt die Volksrepublik bis zum Jahr 2035 die technologische Vorherrschaft in zentralen industriellen Branchen an. Mit Hilfe des Modells der »dualen Zirkulation« soll die chinesische Binnenwirtschaft gestärkt werden, um bestehende Abhängigkeiten von der globalen Wirtschaft zu verringern. Der Außenhandel soll als »externer Wirtschaftskreislauf« eine ergänzende, aber nicht mehr wie in den vergangenen vier Jahrzehnten dominierende Rolle spielen. Der chinesische Markt soll nach dem Willen von Präsident Xi Jinping zu einem »mächtigen Gravitationsfeld« werden, das ausländisches Kapital, Technologie und Talente anzieht.

Auch wenn für Beijing Export nur noch Beiwerk ist, hat das Land in der Pandemie die Welt mit Waren versorgt. Im Coronajahr wurden aus der Volksrepublik Maschinen im Wert von mehr als einer Billion Euro ans Ausland verkauft. Die konsequente Bekämpfung des Virus machte es möglich. Hierzulande kam die Produktion zum Erliegen.

Der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) klagt denn auch: »Corona fördert Chinas Aufstieg zur Wirtschaftsmacht.« Die Profite der deutschen Konzerne werden nicht mehr in den Himmel wachsen. Selbst im positivsten Fall geht der VDMA von einer Stagnation der Maschinenexporte nach China ab Mitte des Jahrzehnts aus. Sollte China es schaffen, bis 2025 das angestrebte hohe Technologieniveau zu erreichen, könnten die Maschinenbauexporte aus Deutschland ab 2025 wieder auf das Exportniveau des Jahres 2019 sinken, klagen die deutschen Konzernvertreter. Die »handelspolitischen Schutzinstrumente« müssten konsequent genutzt werden. Die Mechanismen der Marktwirtschaft sollen voll ausgeschöpft werden: Am 2. August sticht die deutsche Fregatte »Bayern« in See, um im Südchinesischen Meer zu patroullieren. »Die Einhaltung der Regeln für freie Handelswege und territoriale Unversehrtheit sowie die Stärkung unserer demokratischen Partner sind in deutschem wie europäischem Interesse«, richtete das Verteidigungsministerium am Mittwoch aus. Frieden und Freihandel schließen sich aus.

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