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Aus: Ausgabe vom 09.07.2021, Seite 6 / Ausland
Krise im Südsudan

Zehn schwere Jahre

Südsudan: Zum Unabhängigkeitstag kämpft das Land mit mehreren Krisen
Von Jakob Reimann
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Südsudan droht Hungersnot: Menschen entladen Nahrungsmittellieferungen der UN (Pibor, 12.1.2012)

Heute begeht der Südsudan die Feierlichkeiten zu seiner zehnjährigen Unabhängigkeit. Nach Jahrzehnten des Konflikts mit dem Sudan war der heutige Staat ab 2005 – wie bereits zwischen 1972 und 1983 – eine autonome Region des heutigen Nachbarn. In einem Referendum stimmte 2011 schließlich die Mehrheit für die Unabhängigkeit des Landes. Doch der jüngste Staat der Welt kämpft aktuell mit seiner schlimmsten humanitären Krise seit Jahren. »Fast 70 Prozent der Bevölkerung des Südsudan benötigen dringend humanitäre Hilfe«, resümiert das Kinderhilfswerk World Vision in einer Presseerklärung vom Mittwoch. Die desolate Lage im Land droht sich nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zu einer Hungersnot auszuwachsen. Auch das Welternährungsprogramm (WFP) schlägt wegen der drohenden Hungersnot im Land Alarm. 7,24 Millionen Menschen seien in dem Staat mit seinen rund 14 Millionen Einwohnern von akuter Nahrungsmittelunsicherheit bedroht, heißt es im letzten Bericht der Organisation vom Juli.

»Die Unterernährung insbesondere bei Kindern hat ein kritisches Niveau erreicht«, schreibt World Vision. »Etwa 4,4 Millionen Kinder sind betroffen.« 1,4 Millionen seien zum Teil schwer unterernährt. »Die Hungersnot ist eine Folge von Gewalt, Überschwemmungen, Dürren und Covid-19«, so die Einschätzung des Kinderhilfswerks. Die Welthungerhilfe nennt als Gründe für den Hunger hingegen steigende Nahrungsmittelpreise und eine aufgrund des Coronalockdowns stagnierende wirtschaftliche Entwicklung, wie AFP Ende Juni berichtete. Zur Bekämpfung des Hungers von Millionen Südsudanesen müssten insbesondere die wohlhabenden Länder im Norden den Hilfsorganisationen vor Ort endlich substantielle Hilfen bereitstellen.

Hunger in Kombination mit Naturkatastrophen aufgrund extremer Wetterereignisse wird auch im Südsudan zunehmend zu einem Fluchtfaktor. Denn ungeachtet der Coronapandemie sind im vergangenen Jahr weltweit so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie nie zuvor, berichtete das UNHCR Mitte Juni. Ende 2020 waren 82,4 Millionen Menschen wegen Konflikten, Verfolgung, Naturkatastrophen, Gewalt und Hungersnöten aus ihrer Heimat vertrieben – in etwa so viele, wie Deutschland Einwohner hat. Im Vergleich zu 2010 entspricht das einer Verdoppelung. Eine der größten Flüchtlingsgruppen ist die der Südsudanesen. Aus dem Land befinden sich gegenwärtig 2,2 Millionen Menschen auf der Flucht sind.

In Berichten der Vereinten Nationen werden immer wieder auch schwere Kinderrechtsverletzungen im Südsudan beklagt, insbesondere die Rekrutierung von Kindersoldaten gilt als eines der größten Verbrechen an Kindern überhaupt. 19.000 Kinder sind nach UNICEF-Angaben seit 2013 als Kindersoldaten im Südsudan rekrutiert worden, darunter auch Mädchen. Zwar hat der Südsudan im Oktober 2015 die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert, doch ist das Land von deren Umsetzung noch weit entfernt. Auch das südsudanesische Bildungssystem weist weiterhin schwere Mängel auf. So hatten nach einem Bericht des South Sudan Education Cluster vom März 2021 rund 3,4 Millionen Mädchen und Jungen zwischen drei und 17 Jahren keinen Zugang zu einer schulischen oder beruflichen Ausbildung. Mehr als 66.000 Lehrkräfte fehlten.

»Wir lernen im Freien unter Bäumen«, berichtet der zwölfjährige Abraham gegenüber World Vision. »Aber unsere Träume von einer positiven Entwicklung sind lebendig. Wir brauchen mehr Schulen und ein sicheres Umfeld, um zu lernen, weil wir die Zukunft sind.« Trotz aller Widrigkeiten, die das Land plagen, zeigt sich auch Mesfin Loha, Landesdirektor der Hilfsorganisation, unbeirrbar und optimistisch: »Der diesjährige Tag der Unabhängigkeit weckt Hoffnung und Vorfreude auf einen prosperierenden Südsudan.«

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