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Aus: Ausgabe vom 12.07.2021, Seite 4 / Inland
Arbeitskampf

Weiter Druck ausüben

Schließung des Funke-Standorts in Erfurt: Versandhelfer wollen Sozialplanverhandlungen starten
Von Raphaël Schmeller
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Kämpferisch und entschlossen: Demo gegen die Schließung des Druckzentrums am 10. April in Erfurt

Wenn Konzerne Standorte einfach dichtmachen, sind die Konsequenzen oft weit größer als man annimmt. Das zeigt die Schließung des Druckzentrums der Funke-Mediengruppe in Erfurt. Denn nicht nur die Drucker werden Ende des Jahres dort keinen Job mehr haben: Auch 150 Versandhelfer sind betroffen. Und im Gegensatz zu ihren Druckerkollegen ist für sie noch kein Sozialplan vereinbart worden. Die Verhandlungen darüber sollen aber bald beginnen, wie der MDR am Donnerstag berichtete. Demnach haben sich der Betriebsrat der Funke Thüringen Druckservice GmbH und die Funke-Mediengruppe vor dem Thüringer Landesarbeitsgericht in Erfurt geeinigt: In einem Vergleich akzeptierte der Betriebsrat eine Einigungsstelle als Vermittler. Zuvor hatte der Betriebsrat gegen deren Einrichtung Beschwerde eingelegt, weil er dem Funke-Konzern vorwarf, »Verhandlungen mit unvollständigen und widersprüchlichen Informationen zum Druckzentrum blockiert zu haben«, so der MDR-Bericht weiter.

Verdi-Tarifsekretär Jan Schulze-Husmann, der an der Aushandlung des Sozialplans für die Drucker beteiligt war, unterstützt die Versandhelfer: »Es kann nicht angehen, dass die Kolleginnen und Kollegen des Versandes von Funke mit Almosen abgespeist werden«, erklärte er am Freitag im Gespräch mit junge Welt. »Sie sind keine Menschen zweiter Klasse und haben jahrzehntelang die Profite für den Konzern erwirtschaftet. Ihre Forderung nach einem gut ausgestatteten Sozialplan ist mehr als berechtigt.«

Für die rund 100 Drucker wurde bereits Anfang Mai eine Einigung über einen Sozialplan erzielt. Die Schließung konnte zwar nicht verhindert werden, doch man habe für die Beschäftigten »gute Ergebnisse« erreichen können, sagte Schulze-Husmann damals. Konkret soll eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für die Drucker eingerichtet werden. Zudem wurde eine Treueprämie von 12.000 Euro für die Beschäftigten vereinbart, die bis zur Schließung des Standorts in Erfurt bleiben. Der Sozialplan sieht außerdem für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit rund 6,7 Prozent des Jahresbruttoverdienstes als Abfindung vor.

Möglich wurde das, weil die Beschäftigten in den Arbeitskampf gingen: Sie haben mehrfach gestreikt, Mahnwachen abgehalten und Demonstrationen organisiert. Auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Versand waren an den Aktionen beteiligt.

Zur Erinnerung: Die Funke-Mediengruppe wird ihr Druckzentrum in Erfurt Ende 2021 dichtmachen. Sie begründet das mit zu hohen Kosten für die nötige Modernisierung des Standorts sowie sinkenden Auflagen und einer neuen »digitalen Strategie« des Konzerns. Mit der Schließung wird aus Thüringen das erste Bundesland ohne eigene Zeitungsdruckerei. Die betroffenen Regionalblätter sollen in Zukunft in Braunschweig über die Rollenoffsetmaschinen gehen, womit sich die Andruckzeiten um drei Stunden nach vorn verschieben und die Zeitungen an Aktualität verlieren.

Die Argumente von Verdi, dass der Druckstopp in Erfurt teurer als eine Investition in das Erfurter Zentrum sei, weil hohe Transportkosten sowie die Aufrüstung des Standorts in Niedersachsen die Auslagerung unrentabel machen würden, haben Funke kaltgelassen. Auch die medienpolitische Bedeutung der Druckerei für Thüringen konnte den Konzern nicht überzeugen; er nimmt die existentielle Bedrohung für die dortige Medienlandschaft in Kauf.

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