3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Freitag, 17. September 2021, Nr. 216
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 03.07.2021, Seite 1 / Titel
Luftschläge auf Gaza

Eskalation mit Ansage

Bomben gegen Brandballons: Neuer Premier Israels lässt Luftwaffe Angriffe auf Gaza fliegen. Bodenoffensive nicht ausgeschlossen
Von Nick Brauns
qwe.jpg
Schulterschluss mit dem Militär: Israels neuer Premier Bennett will Härte demonstrieren

Israelische Kampfflugzeuge haben in der Nacht zum Freitag erneut Luftangriffe auf die palästinensische Exklave Gaza geflogen. Die Angriffe galten nach Angaben des israelischen Militärs einer Waffenfabrik der in Gaza herrschenden Hamas. Sicherheitskreise der islamistischen Partei gaben an, dass ein Übungsgelände getroffen wurde. Es war bereits der dritte Luftangriff auf Gaza, seit am 21. Mai eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe einen elftägigen Krieg zwischen Israel und der Hamas beendet hatte.

Bei den Bombardierungen handelt es sich nach Angaben der israelischen Armee um »Vergeltungsangriffe« für Brandballons aus Gaza. Durch solche mit Brandsätzen behängte Gasballons – von ihrer Wirksamkeit her eine Art fliegende Molotowcocktails –, die mit dem Wind über die Grenze treiben, waren am Donnerstag vier nach Feuerwehrangaben »kleine und ungefährliche« Brände in der südisraelischen Region Eschkol ausgebrochen. Die Hamas setzt solche Ballons, die in der Vergangenheit immer wieder zu Sachschäden durch Feldbrände geführt hatten, ein, um den Druck auf Israel zu erhöhen. Gefordert wird, die seit 14 Jahren andauernde Land- und Seeblockade gegen den dichtbesiedelten Gazastreifen aufzuheben.

Dass Israel nun auf die selbstgebastelten Ballons mit dem Abschuss von Raketen aus modernsten Kampfflugzeugen reagiert, verdeutlicht zum einen den zutiefst asymmetrischen Charakter des Konflikts zwischen der hochgerüsteten zionistischen Kolonialmacht und den großer Teile ihres Landes und ihrer Rechte beraubten Palästinensern. Vor allem aber will der neue israelische Premierminister Naftali Bennett, der seit dem 13. Juni an der Spitze einer fragilen Parteienkoalition vom ultrarechten bis zum liberalen Spektrum einschließlich einer islamistischen Partei der palästinensischen Bourgeoisie steht, mit dieser schnellen Reaktion offensichtlich Härte demonstrieren. »Wenn es erforderlich ist, unsere Macht zu nutzen, werden wir auch tödlicher agieren«, hatte Bennett am Donnerstag auf einer Zeremonie vor Offizieren der israelischen Streitkräfte erklärt und auch eine Bodenoffensive gegen Gaza nicht ausgeschlossen.

Bennetts langjähriger Vorgänger Benjamin Netanjahu war zwar um maximale Härte gegen die Palästinenser nicht verlegen, wenn Krieg wie zuletzt im Mai in seine innenpolitische Agenda passte. Doch auf Brandballons, die in den vergangenen Jahren zu Tausenden über die Grenze geflogen waren, hatte Netanjahu in der Regel nicht mit Luftangriffen antworten lassen, um keine unerwünschte Eskalation an der südlichen Grenze zu riskieren. Bennett dagegen hatte bereits 2018 als Bildungsminister im Kabinett Netanjahu die Tötung von palästinensischen Militanten gefordert, die solche Ballons steigen ließen.

Eine Eskalation mit Ansage bedeutet auch der diese Woche nach jahrzehntelangen rechtlichen Auseinandersetzungen unter extremem Polizeischutz begonnene Abriss der Häuser von 13 palästinensischen Familien im Stadtviertel Al-Bustan des südlich der Altstadtmauern von Jerusalem gelegenen Ortes Silwan. Nachdem israelische Behörden Palästinensern in dem seit 1967 besetzten Ort Baugenehmigungen verweigert hatten, ordneten sie den Abriss zahlreicher Gebäude als angeblicher Schwarzbauten an. An ihrer Stelle soll nach dem Willen der Stadtverwaltung von Jerusalem ein Bibelpark entstehen, da der biblische König David nach Ansicht nationalreligiöser Siedler an dieser Stelle vor 3.000 Jahren seine Hauptstadt gegründet habe.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

  • Rettung eines Säuglings aus einem Gebäude, das durch einen israe...
    21.05.2021

    Unehrlicher Makler Maas

    USA drängen Israel zu Waffenstillstand. Deutscher Außenminister versichert dessen Regierung, dass alles bleiben soll, wie es ist
  • Eine Rakete trifft am Sonnabend das 12stöckige Al-Jalaa-Hochhaus...
    17.05.2021

    Bomben gegen Presse

    Israelische Luftwaffe zerstört Medienhochhaus in Gaza. Italienische Hafenarbeiter blockieren Waffentransport für Tel Aviv
  • Auch in der besetzten Westbank protestieren die Menschen am Frei...
    15.05.2021

    Kein Frieden für Gaza

    Tel Aviv setzt Militäraggression gegen Palästinenser fort. Jüdische und arabische Israelis demonstrieren für friedliches Zusammenleben

Nur noch bis 26. September: 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!