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Aus: Ausgabe vom 25.06.2021, Seite 2 / Inland
Geheimes AfD-Netzwerk

Partei des großen Geldes

Medienrecherchen zu Finanzquellen der AfD veröffentlicht
Von Arnold Schölzel
Traf Tom Rohrböck wiederholte Male: Alice Weidel, AfD-Spitzenkan
Traf Tom Rohrböck wiederholte Male: Alice Weidel, AfD-Spitzenkandidatin

Unter dem Titel »Das rechte Phantom« strahlte das NDR-Fernsehen am Mittwoch das Ergebnis mehrjähriger Nachforschungen von WDR, NDR und der Wochenzeitung Die Zeit über ein geheimes Netzwerk zur AfD-Lenkung aus. Am Donnerstag folgte Die Zeit mit einem mehrseitigen Artikel. Im Mittelpunkt der Berichte steht der Unternehmer Tom Rohrböck – selbst nicht Mitglied der AfD –, der ein Geflecht von Onlineplattformen, Briefkasten- und Investmentfirmen betreibt, als Geschäftspartner wird auch »ein ehemaliger Geheimdienstchef aus Österreich« (Zeit) genannt. Rohrböck verweigerte jeden Kontakt zu den Journalisten.

Mit dem Ziel, in der Bundesrepublik eine rechte Partei nach dem Vorbild des 2008 verstorbenen österreichischen Politikers Jörg Haider zu gründen, »beriet« Rohrböck demnach Politiker aus CDU, FDP, NPD und vor allem AfD. Die Berichte legen nahe, dass es in Wirklichkeit um Intrigen, Manipulationen und Drohungen ging. Die Zeit zitiert den »Schattenmann« mit den Worten, er sei ein Mann an der Schnittstelle von »braunen Horden, motorradfahrenden Jungs und ehemaligen Militärs«. Laut den Recherchen zerstört er politische Karrieren oder fördert sie. So habe er dafür gesorgt, dass die AfD-Bundestagsabgeordnete Corinna Miazga 2017 überraschend Vorsitzende des bayerischen AfD-Landesverbandes wurde. Rohrböck spendiere Luxusreisen und verteile Geld aus verschiedenen Quellen, u. a. aus Zuwendungen des in der Schweiz lebenden deutschen Milliardärs August von Finck junior.

AfD-Schatzmeister Carsten Hütter kündigte gegenüber den drei Medien eine Untersuchung an. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sprach in der NDR-Sendung auf die Frage, ob sie Angst vor Rohrböck habe, zögernd von »Respekt«. Er habe Zugang zu einer Gruppe von rund 40 Bundestagsabgeordneten und weiteren AfD-Funktionären. Auch sie selbst habe zeitweise mit ihm in Kontakt gestanden. Laut NDR, WDR und Zeit hat sich die Fraktionschefin bei gemeinsamen Hotelaufenthalten teilweise unter falschem Namen eingecheckt. Die drei Medien befragten nach eigenen Angaben Hunderte Informanten in acht Ländern. Ihnen lägen Rechnungen, Verträge, Kreditkartenabrechnungen, Kontoauszüge, E-Mails, Fotos, Handelsregisterauszüge, Sprachnachrichten, SMS, Videos und Whats-App-Chats vor.

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