3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 24. / 25. Juli 2021, Nr. 169
Die junge Welt wird von 2567 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 15.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Reibereien im Kriegsrat

NATO-Gipfel in Brüssel
Von Jörg Kronauer
Nato_Gipfel_69802156.jpg
Neuer Kalter Krieg – oder doch nicht: Die Spitzen des Kriegsbündnisses am Montag in Brüssel

Einige wichtige Marksteine wurden gesetzt auf dem NATO-Gipfel am Montag. Das Militärbündnis steckt mitten in seiner zweiten großen Umorientierungsphase seit dem Ende des Kalten Kriegs. Die erste war diejenige nach dem 11. September 2001, den die westlichen Mächte zum Anlass nahmen, sich als Interventionsbündnis für Kriege und andere Operationen in fernen Ländern zu formieren, zunächst in Afghanistan, dann auch andernorts. Die damals aktuellen Interventionsszenarien brachten neue Anforderungen an die militärische Hardware mit sich, die noch in gewissem Maß dem Kalten Krieg mit seinen Panzerschlachtszenarien verhaftet war, und sie verlangten auch neue militärische Taktiken. Es dauerte einige Jahre, bis die NATO das alles in einem Grundsatzpapier zusammengebunden hatte: in ihrem »Strategischen Konzept« aus dem Jahr 2010.

Mit der zweiten Umorientierung der westlichen Mächte, die 2014 eingeleitet wurde, wurde das Papier allerdings obsolet. Erneut rückten Konfrontationen zwischen Großmächten in den Mittelpunkt, zunächst vor allem der Konflikt mit Russland, dann – in wachsendem Maß – auch der Machtkampf gegen China. Die erneute Anpassung der militärischen Hardware, der Manöver, der Taktiken und Strategien hat begonnen, der Einsatz in Afghanistan wird abgewickelt, und nun soll die neue Lage in einem neuen Grundsatzpapier skizziert werden: im nächsten »Strategischen Konzept«, dessen Erstellung die 30 Staats- und Regierungschefs am Montag in Auftrag geben wollten. Klar, für die anschwellenden Großmachtkonflikte wäre ein gestärktes Bündnis mit größerem Budget hilfreich – weil man sich nun mit starken Staaten anlegt, die zu Weltraumoperationen fähig sind, liegt es aus Brüssels Sicht nahe, den Bündnisfall auch bei Attacken auf eigene Satelliten ausrufen zu können. Da man jetzt China fest ins Visier nimmt, steht zudem eine engere Zusammenarbeit mit asiatisch-pazifischen Verbündeten auf dem Programm.

China? Der Umgang mit der Volksrepublik sorgt innerhalb des Westens weiterhin für Reibereien. US-Präsident Joseph Biden hat kürzlich erklärt, im Machtkampf gegen Beijing gehe es um nichts Geringeres als »den Sieg im 21. Jahrhundert«, und »der Startschuss ist gefallen«. Großbritanniens Premier Boris Johnson hingegen bekräftigte am Montag, London wolle keinen »neuen Kalten Krieg«. Daran stimmt, dass das Königreich auf profitable Geschäfte in der Boomregion am Pazifik setzt, auch in China, ganz ähnlich also wie Deutschland, wenngleich stärker auf die Finanzbranche fokussiert. Mit bloßer Konfrontation, wie sie Washington zunehmend vorantreibt, lassen sich derlei Profite schwer realisieren – daher die Warnung vor allzu harter Eskalation. Im Bündnis freilich müssen diese Differenzen bearbeitet werden. Nicht zuletzt daran liegt es, dass im Rahmen der »Agenda NATO 2030« neben der Stärkung der Bündnisstruktur auch intensivere politische Debatten angepeilt wurden: Der Machtkampf verlangt höchste Geschlossenheit.

Marx für alle!

Die junge Welt gibt's jetzt im Aktionsabo! Für 62 € erhältst du 3 Monate lang die gedruckte Ausgabe der jW, danach endet das Abo automatisch.

Jetzt selber abonnieren, verschenken oder schenken lassen!

Ähnliche:

  • Ist im NATO-Hofzeremoniell so vorgesehen: Sultan Recep Tayyip Er...
    15.06.2021

    Liebesgrüße aus Brüssel

    NATO erklärt offiziell China zum Hauptgegner und beschließt mehr Aufrüstung. Nach Moskau will die Wertegemeinschaft »harte Botschaften« schicken
  • »Es teilt unsere Werte nicht« ist die neue NATO-Parole gegen Chi...
    09.06.2021

    Kreuzzug gegen China

    NATO und US-Regierung provozieren Volksrepublik aufs neue. Boykott der Olympischen Winterspiele in Beijing vorbereitet
  • 2019 attestierte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (l.) den ...
    02.06.2021

    Teure Muskelspiele

    NATO vor Gipfeltreffen: Haushalt des Kriegsbündnisses und nationale Rüstungsetats sollen weiter aufgestockt werden

Regio:

Mehr aus: Ansichten

Marx für alle! 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!