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Aus: Ausgabe vom 14.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Offenbarung des Tages: Springers Blätter

Von Jan Greve
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Es sind unterschiedliche Blätter, es ist stets derselbe dumpfe Inhalt

Die Schreiberlinge der Springer-Presse haben es nicht leicht. Tagtäglich müssen sie die gesellschaftlichen Verhältnisse so grotesk verzerren, dass die ewig selben Feindbilder bedient werden. Lukrativ fürs Geschäft ist dabei auch die Hassliebe zu den Bündnisgrünen, die man gerne vor sich hertreibt. So erneut geschehen am Wochenende. Der digitale Parteitag musste für mindestens einen »Skandal« gut sein. Und wer sucht, der findet bekanntlich.

Am Sonnabend titelte bild.de: »Rednerin vergleicht Klimaforscher mit verfolgten Juden«. Es ging um die Publizistin Carolin Emcke. Die hatte in ihrer Gastrede am Freitag das Wort »Juden« in den Mund genommen und es zudem in einem Satz mit »Klimaforscher« ausgesprochen. Daraufhin dürften im Hause Springer die Sektkorken geknallt haben, bevor die nächste prickelnd-reißerische Story gestrickt wurde. Eigentlich ging es der Elfenbeinturmphilosophin Emcke darum, in liberal-bürgerlicher Tradition »endlich die Frage nach der Verbindung von Demokratie und Wahrheit zu stellen« und vor »Desinformation und Ressentiments« zu warnen. Bild fasste das dann wie folgt zusammen: »Wie bitte: Gegen Klimaforscher wird genauso gehetzt wie einst (und auch heute noch) gegen Juden?« Johannes Boie, Chefredakteur von Welt am Sonntag, überschrieb seinen aufgeregten Kommentar zugleich mit: »Das Leid der Juden als ultimatives Argument für grüne Politik?«

Wenig überraschend ist die Rede Emckes all die Aufregung nicht wert. Auch wenn Bild und Welt es herbeizuschreiben versuchen, der Holocaust wurde nicht verharmlost. Die von den Hetzblättern immer wieder angeschobenen Scheindebatten über die eigentlich so ernste Gefahr des Antisemitismus offenbart am Ende nur die eigene zynische Marketingstrategie: das Leid der Juden als ultimatives Verkaufsargument für Springer-Produkte.

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