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Aus: Ausgabe vom 11.06.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
G-7-Gipfel

Illustre Gäste in Cornwall

G7-Staaten wollen im Machtkampf gegen China strategisch wichtige Verbündete enger an sich binden
Von Jörg Kronauer
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US-Präsident Joseph Biden und Gattin Jill werden am Mittwoch am Flughafen in Cornwall empfangen

Es hat mehrere Ursachen, dass die Gruppe der sieben zu ihrem Gipfeltreffen in Cornwall vier weitere Staaten hinzugebeten hat. Eines wird gern übersehen: Als die G7 sich 1975/76 gründete, waren ihre Mitglieder mit einem Anteil von knapp über 60 Prozent an der globalen Wirtschaftsleistung tatsächlich die sieben wirtschaftsstärksten Industriestaaten der Welt. Von Ende der 1980er bis Anfang der 2000er Jahre konnten sie diesen Anteil sogar noch steigern, auf gut zwei Drittel. Seitdem aber ging es mit ihrer ökonomischen Dominanz rasch bergab. Derzeit liegt ihr Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung bei knapp über 40 Prozent – noch, muss man hinzufügen, denn nicht nur die Chinas, auch die Indiens oder etwa mehrerer Mitglieder des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN wächst rasant, und vor allem: rasanter als die des alten Westens. Dass die G7-Länder, wenn man so will, ihre Fühler in Richtung G10, vielleicht auch G11 ausstrecken, hat also auch ökonomische Gründe.

Auch. Denn eine andere Ursache dafür, dass die G7 vier »Gäste« nach Cornwall gebeten haben, liegt darin, dass sie im Machtkampf gegen China strategisch wichtige Verbündete enger an sich binden wollen. Australien betätigt sich seit mehreren Jahren als aggressiver Rammbock gegen die Volksrepublik. Indien, das sich traditionell als Chinas großen asiatischen Rivalen betrachtet, verleiht dem Westen in Asien größeres Gewicht. Australien und Indien kooperieren seit geraumer Zeit mit den G7-Staaten USA und Japan im Rahmen des »Quad«-Pakts (Quadrilateral Security Dialogue) mit offener Stoßrichtung gegen Beijing. Südkorea wiederum, das in Cornwall präsent ist, hat bislang jegliche Beteiligung am Quad vermieden: Es ist bemüht, sich nicht allzu aggressiv gegen China zu positionieren, von dem es wirtschaftlich abhängig ist.

Dieses Bemühen könnte, so orakeln Strategen in Seoul, bald an seine Grenzen stoßen. Bereits bei seinem Besuch im Weißen Haus vor drei Wochen habe Präsident Moon Jae In Anzeichen für einen bald engeren Schulterschluss mit den USA erkennen lassen, berichtete die Tageszeitung Korea Times unter Berufung auf südkoreanische Experten. Auf dem NATO-Außenministertreffen am 1. Juni hat US-Außenminister Antony Blinken eine intensivere Kooperation des Militärbündnisses auch mit Südkorea verlangt. Japanische Medien berichten, am Rande des G7-Gipfels könne es zu einem US-amerikanisch-japanisch-südkoreanischen Minigipfel kommen. Überhaupt: Südkorea sei, so urteilt der südkoreanische Politikwissenschaftler Nam Sung Wook, nach Cornwall mit dem klaren Ziel eingeladen worden, es fest in eine »Anti-China-Achse« einzubinden. Wird dies Realität, dann steuert Seoul wohl auf eine Phase scharfer Konflikte mit Beijing zu.

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