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Aus: Ausgabe vom 09.06.2021, Seite 16 / Sport
Fußball

Zurück im Keller

Der Traum vom großen Fußball wurde für den KFC Uerdingen zum Alptraum
Von Maurice Lötzsch
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Erleichtert, aber ohne Zukunft? Stefan Reisinger, Teammanager des KFC Uerdingen, nach dem Klassenerhalt

Für Amateurvereine geht es oft um das liebe Geld. Entweder ist es knapp – oder bei jemand anderem. Wenn man es doch schafft, die fremde Geldquelle anzuzapfen, ist der Jubel groß. Hoch hinaus sollte es beim KFC Uerdingen gehen, denn der damalige Oberligist sah sich für Höheres berufen. Jetzt ist man am Ende: Am 2. Juni musste man mitteilen, die Lizenzauflagen für die 3. Liga nicht erfüllen zu können. Dem »Grotifant« gehen die Lichter aus. Es ist das zwangsläufige Resultat von verzocktem Vertrauen und (rot-)blauäugigem Verhalten.

Den großen Zeiten nacheifern war das Ziel: Zwischen 1983 und 1995 erlebte der KFC Uerdingen die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. 1985 gewannen die Rot-Blauen den DFB-Pokal, im Europapokal der Pokalsieger war Bayer Uerdingen das erste Mal auf internationaler Bühne vertreten. Im Viertelfinale ereignete sich das »Wunder von der Grotenburg«, als Dynamo Dresden nach einer fulminanten Aufholjagd mit 7:3 nach Hause geschickt wurde. Keine zehn Jahre später stieg mit der Bayer AG der bisherige Haupt- und Namenssponsor aus und hinterließ ein großes Loch in der klammen Vereinskasse. Es folgten Ochsentouren über die Dörfer, doch der Erfolg blieb aus. Nach dem Ausstieg des »Heilsbringers« Agissilaos »Lakis« Kourkoudialos hoffte man, durch noch frischeres Geld die Rückkehr in den Profifußball angehen zu können. Mit Michail Ponomarew, einem russischen Unternehmer aus der Mineralölbranche, meinten die Verantwortlichem am Niederrhein den Weg in eine strahlende Zukunft geebnet zu haben.

Ponomarews Engagement im Profifußball begann allerdings bei Fortuna Düsseldorf, als seine Firma »Energy Consult« 2011 Trikotsponsor des Zweitligisten wurde. Im November 2013 erklärte Ponomarew, sich bei der Düsseldorfer EG in der Deutschen Eishockeyliga engagieren zu wollen. Obwohl dort Erfolge vorzuweisen waren, entschied der Investor nach Querelen mit der Stadt Düsseldorf, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Dann kam Uerdingen.

Die Chance, beim KFC einzusteigen gefiel Ponomarew nicht wegen fußballromantischer Gefühle. »Ich bin vor allem Geschäftsmann. Den KFC will ich unterstützen, aber ich habe auch vor, mit diesem Projekt Geld zu verdienen«, sagte er. Immerhin ein ehrliches Statement. Durch sein Engagement gewann er nicht nur die Kontrolle über die ausgegliederte Spielbetriebs-GmbH, er ließ sich auch zum Geschäftsführer des eingetragenen Vereins wählen. Der Erfolg gab ihm recht, von der fünften ging es schnurstracks in die dritte Liga. In der vergangenen Saison erlebte der KFC allerdings eine unruhige Phase nach der nächsten. Ponomarew betrachtete sein Investment nicht als einträglich, man habe nichts außer einer Drittligalizenz. Damit hatte er recht. Das Grotenburg-Stadion, das seit Jahren umgebaut wird, ist nicht drittligatauglich. Der KFC musste als Untermieter bereits in Duisburg, Düsseldorf und Lotte unterkommen. Man verhielt sich dort nicht immer als guter Gast, Mietzahlungen wurden nicht überwiesen, der KFC vor die Tür gesetzt. Im Februar gab der Armenier Roman Geworkyan an, Anteile am Verein kaufen zu wollen. Im März leitete das Amtsgericht Krefeld ein Insolvenzverfahren ein, die Spielbetriebs-GmbH war überschuldet. Aus der Rettung durch Geworkyan wurde nichts, er zog sich wieder zurück.

So steht der KFC Uerdingen ohne Geld und Zukunft dar, eine Rückkehr in die Regionalliga West scheint programmiert. Die Spielbetriebs-GmbH wurde bereits liquidiert, die Handhabe über die Lizenz haben der KFC Uerdingen 05 e. V. und seine rund 750 Mitglieder, die nun die Scherben zusammenkehren dürfen. Trotz Klassenerhalts in der 3. Liga dürfte ein Neuanfang in der Regionalliga wahrscheinlich sein – neben zahlreichen anderen Exbundesligisten.

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