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Aus: Ausgabe vom 03.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Grünen-Versteher des Tages: Josef Käser

Von Jan Greve
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Hat nichts gegen einen grün lackierten Kapitalismus: Josef Käser (2020)

Falls es noch eines Beweises bedurft haben sollte, dass Bündnis 90/Die Grünen erfolgreich ihr Image als alternative, gar linke Partei hinter sich gelassen haben, so wurde er am Mittwoch erbracht. Josef Käser, bis vor kurzem noch Vorstandschef von Siemens, verkündete in der Süddeutschen Zeitung, auf wen er beim Rennen um das Bundeskanzleramt im September setzt. »Die größte Glaubwürdigkeit für eine nachhaltige und langfristige Erneuerung hat sicherlich Annalena Baerbock«, erklärte der Diplom-Betriebswirt und versetzte damit den Karriereambitionen von Mitbewerber Armin Laschet den geschätzt fünfhundertsiebenunddreißigsten Dämpfer. Beschwichtigend schob Käser nach, auch der CDU-Chef sei ein geeigneter Kandidat, ebenso wie SPD-Hoffnungsträger Olaf Scholz – allerdings stehe Baerbock eben für die sozial-ökologische Marktwirtschaft, die Deutschland brauche.

Käser ist damit einigen seiner Kapitalistenfreunde einen Schritt voraus. Mit Blick auf den Entwurf des Grünen-Wahlprogramms hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie im April noch ein »ausgeprägt dirigistisches Staatsverständnis« bemängelt. Doch wozu die Aufregung? Was haben an irgendeiner Regierung beteiligte Grüne bislang in diesem Land schon bewirkt – also abgesehen von Auslandseinsätzen der Bundeswehr, Armutsförderung per Gesetz und Autobahnausbau durch den Dannenröder Forst?

In der Geschwindigkeit, in der sich die Partei an die herrschenden Verhältnisse anpasst, hat sie für »Dirigismus« keine Zeit. Käser weiß über Kanzlerkandidatin Baerbock zu berichten: »Wichtig ist ihr Pragmatismus, wenn es um Zusammenhänge geht: Sie sieht die ökologischen Aspekte, weiß aber auch, dass wir ein Industrieland sind.« Kapitalist Käser kennt diesen feinen Unterschied: Die Armut der Lohnabhängigen sehen, aber um die Notwendigkeit der Profitmaximierung wissen.

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Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Bernd K. ( 3. Juni 2021 um 11:14 Uhr)
    Was? Ein Vertreter des lokalen Kapitals findet eine von anderen Vertretern des globalen Kapitals zur lokalen Statthalterin des lokalen Kapitals erkorene »junge globale Führerin« einer anderen, früher von demselben globalen Kapital für dasselbe lokale Kapital erkorenen, ehemals jungen Führerin aus demselben Führerausbildungsprogramm des globalen Kapitals »ähnlich«? Na, so was aber auch! Wer hätte das gedacht?

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