3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Montag, 2. August 2021, Nr. 176
Die junge Welt wird von 2567 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 28.05.2021, Seite 1 / Inland
Pleiten in der Pandemie

Überschuldungswelle droht

Nach dem Shutdown könnten Zehntausende in Privatinsolvenz getrieben werden
imago0097809995h.jpg
Vielen steht das Wasser bereits bis zum Hals. Durch die Coronakrise könnten bis zu 100.000 Menschen in die Überschuldung geraten

Die Zahl der Menschen, die die Hilfe von Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Anspruch genommen haben, ist 2020 leicht gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag wollten etwa 588.000 Privatpersonen diese Angebote nutzen. Das waren knapp 6.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Die Mehrheit der Überschuldeten, die sich an Beratungsstellen wandten, war den Angaben zufolge erwerbslos (43,4 Prozent). Die anderen Hilfesuchenden waren berufstätig (35,3 Prozent), selbständig (1,1 Prozent) oder anderweitig nicht erwerbstätig, beispielsweise Rentner (20,3 Prozent).

Überschuldete hatten 2020 im Schnitt Verbindlichkeiten von 29.230 Euro. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel sank zwar die Zahl der Privatpleiten im vergangenen Jahr um 35,1 Prozent auf 56.324 Fälle. Kurzarbeit und auch Ersparnisse hätten die finanzielle Schieflage für die Menschen teilweise abgemildert. Verbraucher hätten sich auch mit Anschaffungen zurückgehalten. Zudem hätten viele Überschuldete auf einen Gang zur Schuldnerberatung verzichtet oder diesen verschoben. Betroffene warteten dabei auch die Gesetzesreform ab, nach der Verbraucher künftig einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden können. Crifbürgel erwartet, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise erst in diesem und im kommenden Jahr durchschlagen. Für 2021 ging die Auskunftei zuletzt von bis zu 90.000 Privatpleiten aus. 2022 könnten es 100.000 Fälle sein.

Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Die Linke, kritisierte: »In der zunehmenden Überschuldung spiegeln sich die hohe Armutsgefährdung und die Schwächung der sozialen Sicherungssysteme wider. Durch die verfehlte Krisenpolitik der Bundesregierung zur Bewältigung der Coronapandemie haben Hunderttausende Menschen ihre Jobs verloren.« Die Bundesregierung müsse schnellstmöglich mehr und bessere Hilfeleistungen bereitstellen, damit nicht noch mehr Menschen in Existenznot gerieten. (dpa/jW)

Marx für alle!

Die junge Welt gibt's jetzt im Aktionsabo! Für 62 € erhältst du 3 Monate lang die gedruckte Ausgabe der jW, danach endet das Abo automatisch.

Jetzt selber abonnieren, verschenken oder schenken lassen!

Mehr aus: Inland

Marx für alle! 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!