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Aus: Ausgabe vom 11.05.2021, Seite 10 / Feuilleton
Punk

Tief geschürft

»Irruption«: Das neue Album von Chris Wollards Band Ship Thieves
Von Rouven Ahl
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Wenn Wollard nicht am Gitarrenhals schuftet, arbeitet er auch schon mal auf dem Bau

Hot Water Music gehören bis heute zur Speerspitze des emotionalen Hardcores. Einen großen Anteil daran hat jenes Duo, dass sich bei der Band aus Gainesville, Florida seit eh und je den Gesang teilt: Chuck Ragan und Chris Wollard. Es sind die rauen Stimmen der beiden, die unmittelbar zupacken und – nicht nur – unterschwellig vermitteln: Wir verstehen euch, Brüder und Schwestern. Gebt die Hoffnung nicht auf, es kommen wieder bessere Tage. Bis dahin sind wir für euch da!

Während Ragan aufgrund einer recht erfolgreichen Solokarriere dem einen oder anderen ein Begriff sein könnte, schwebte Kollege Wollard stets etwas unter dem Radar. Das ist schwer nachzuvollziehen, beweist der 46jährige bei Projekten wie The Draft oder Ship Thieves doch immer wieder aufs neue, was für ein großartiger Songwriter er ist.

Mit den Ship Thieves hat Wollard nun das Album »Irruption« (Chunksaah Records) veröffentlicht. Es ist das vierte der Band, die 2008 als eine Art Soloprojekt startete und zunächst noch Chris Wollard & The Ship Thieves hieß. Mit dem letzten Album »No Anchor« (2016) sei aus dem Projekt aber eine echte Band geworden, so Wollard in einem Podcast der Onlinepublikation Dying Scene Anfang März. Seinen Namen brauchte es damit nicht mehr – und so waren die Ship Thieves geboren.

Vor allem Menschen, die auf hymnisch-emotionalen Punkrock stehen, kommen an der Band eigentlich nicht vorbei. »Irruption« wirkt dabei noch einmal ausgereifter als seine Vorgänger. Eines aber ist gleich geblieben: Wollards Gespür für mitreißende Songs, die nicht nur an der Oberfläche kratzen – sondern viel tiefer gehen.

»Chris hat schon immer Songs geschrieben, zu denen viele Menschen eine emotionale Verbindung haben«, bringt Ship-Thieves-Bassist Chad Darby die besondere Fähigkeit von Wollard im Dying Scene-Podcast auf den Punkt.

So toll die Ship Thieves auch sind, allzuviel Aufhebens will Wollard um sie anscheinend nicht machen; große Tourneen wären auch ohne Corona nicht geplant gewesen. Aus gesundheitlichen Gründen zieht er sich bereits seit 2017 von den Touraktivitäten seiner Hauptband Hot Water Music zurück.

»Wir wollen einfach nur Musik schreiben«, erklärt Wollard im bereits erwähnten Podcast-Interview die Herangehensweise der Ship Thieves: »Wir machen uns keine Gedanken darüber, was aus der Band einmal werden könnte.«

Ein Statement, das von anderen Musikern getätigt schon einmal die Koketteriealarmsirenen klingen lässt. Wollard jedoch scheint allem unverdächtig, was kokett oder gar prätentiös erscheinen könnte: Der Sänger und Gitarrist ist so Working Class, wie es ein Musiker seines Kalibers nur eben sein kann. Und das nicht nur im übertragenen Sinne: Wenn Wollard sich nicht gerade um neue Musik kümmert, arbeitet er auch schon mal ganz profan auf dem Bau.

Ship Thieves: »Irruption« ­(Chunksaah)

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  • Leserbrief von Bernd Brummer (11. Mai 2021 um 14:56 Uhr)
    Und schon wieder wird eine britische oder US-amerikanische Band in den Mittelpunkt gestellt. Das nervt! Die Kultur, gerade die Musikkultur, wird doch sowieso schon englisch dominiert. Seit 30 Jahren gibt es im deutschen Radio (mit wenigen Ausnahmen – und ich will den sogenannten deutschen Schlager bewusst ausklammern) nur englische Musik. Was soll das? Gibt es denn keine Bands in Deutschland. Die dann möglicherweise auch noch deutsch singen?

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