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Aus: Ausgabe vom 07.05.2021, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Fanrechte sind Bürgerrechte

Von René Lau
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Erst im Stadion, dann überall: Eine Überwachungskamera im Borussia-Park in Mönchengladbach (2018)

Gerne zieht die Politik die Repressionsschraube zunächst bei Fußballfans fest, um die gewonnenen Mittel dann auch auf weitere Teile der Bevölkerung auszudehnen, etwa auf Demonstranten. Derzeit sollen in Nordrhein-Westfalen wieder einmal Bürgerrechte eingeschränkt werden. Aus dem Land des Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) sind wir als Fußballfans auch nichts anderes gewohnt. War es doch die schwarz-gelbe Koalition unter Laschet, die zu Beginn ihrer Legislaturperiode erst einmal die Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte wieder abgeschafft hat. Nun kommt man auf die Idee, im neuen Versammlungsgesetz jegliche Uniformiertheit zu verbieten. Und wie man liest, betont die Polizei mit unerwarteter Deutlichkeit, dass sie damit insbesondere Fußballfans im Blick hat. Nun ist es ja so, dass ein Verein ein Logo hat und nicht ständig die Vereinsfarben wechselt. Es ist somit keine Überraschung, dass Anhänger eines Vereins in der Regel gleich oder ähnlich aussehen. Auch ist es gang und gäbe, dass sich bestimmte Fangruppen ein uniformes Äußeres geben.

Geht es nach den Herrschenden an Rhein und Ruhr, wäre die Teilnahme an einem Fanmarsch in Vereinsfarben somit strafbar. Da so ziemlich jeder enthusiastische Anhänger zumindest der drei obersten Ligen auch gerne mal zum Auswärtsspiel nach Nordrhein-Westfalen reist, kann das Uniformverbot somit Fans aus allen Bundesländern treffen.

Darüber hinaus soll es nach dem neuen Gesetz möglich sein, Kontrollstellen zur Identitätsfeststellung zu installieren; auch ist eine erweiterte polizeiliche Videoüberwachung geplant. All das schränkt nicht nur Rechte von Fußballfans ein, sondern die grundgesetzlich geschützten Rechte eines jeden Bürgers. Das ist in vollem Umfang abzulehnen. Die Fanhilfen aus NRW sowie die Landesarbeitsgemeinschaft der örtlichen Fanprojekte haben sich mit einer entsprechenden Erklärung positioniert. Wir alle müssen sie dabei unterstützen. Es ist in unser aller Freiheitsinteresse. Denn Fanrechte sind Bürgerrechte. Ist diese Tür in Nordrhein-Westfalen erst einmal geöffnet, wird sie auch in anderen Bundesländern nicht geschlossen bleiben. Wenn es die Möglichkeit gibt, Grundrechte einzuschränken, sind Innenpolitiker aller Länder gerade in Zeiten von Wahlkampf immer dabei.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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