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Aus: Ausgabe vom 07.05.2021, Seite 5 / Inland
Tarifauseinandersetzung

Nur Centbeträge

Nürnberg: Verdi ruft Klinikbeschäftigte zum Arbeitskampf auf
Von Steve Hollasky
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Krankenhaussektor: Kolleginnen und Kollegen wollen ihre Arbeitskraft nicht mehr weit unter Wert verkaufen

Sie hat schon einiges erlebt. Nun aber hat sie genug und will bessere Arbeitsbedingungen. Karin Reinfelder ist Beschäftigte der Klinikum Nürnberg Servicegesellschaft (KNSG). Als Aktive von Verdi und Mitglied der Tarifkommission hatte sie Donnerstag vor einer Woche ihre Kolleginnen und Kollegen zum Warnstreik aufgerufen.

Sie wolle sich nicht »mit ein paar Cent Lohnverbesserungen« zufriedengeben, erklärte Reinfelder am Mittwoch im jW-Gespräch. Wenn man ihr zuhört, bemerkt man schnell, wie beschwerlich die Tätigkeiten für die Beschäftigten in den Servicebereichen des Klinikums gewesen sein müssen: im Transport, in der Küche, Näherei, Wäscherei, Reinigung etwa.

Alles Arbeitsbereiche, die 1999 in die KNSG ausgegliedert worden waren. Vom Outsourcing waren rund 1.100 Beschäftigte betroffen. Die Folgen: deutliche Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen einschließlich großer Entgeltunterschiede zwischen den Beschäftigtengruppen. Aktuell würden nur noch etwa 200 Angestellte der KNSG nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) entlohnt, berichtete Reinfelder. Etwa 800 Angestellte hingegen erhielten ihren Lohn nach dem Tarifvertrag Service und müssten damit bei Bezahlung und Urlaub erhebliche Nachteile hinnehmen, sagte sie weiter. Das wollen Beschäftigte und Verdi nicht länger hinnehmen.

Die Klinikleitung bot bislang lediglich Verbesserungen im Rahmen des Servicetarifvertrages an, der jüngst in Bamberg und Schweinfurt verhandelt worden war. Dem Gros der Belegschaft der KNSG reicht das bei weitem nicht. Das Unternehmerangebot hätte »in einigen Fällen« ein minimales Lohnplus von neun Cent pro Arbeitsstunde bedeutet, empört sich Reinfelder. »Bei einer durchschnittlichen Mietsteigerung von neun Prozent in Nürnberg« seien solche Beträge völlig unzureichend.

Statt dessen fordern die Beschäftigten einen Haustarifvertrag in Anlehnung an das Niveau des TVöD. Selbst dabei sei man »noch eher gemäßigt«, sagte die Verdianerin. Zwischenstufen werde man akzeptieren. Wille und Kampfkraft scheinen zu bestehen. Bereits vor einigen Wochen hatte Verdi eine Pausenaktion am Standort Nord des Klinikums organisiert. Etwa 120 Beschäftigte nahmen teil, weitere 85 am Standort Süd. Dennoch: Die Gegenseite blieb stur und will nicht an den Verhandlungstisch.

Weiteren Druck baute Verdi am vergangenen Donnerstag mit dem ersten 24-Stunden-Warnstreik von KNSG-Beschäftigten auf. An die 300 von ihnen zogen mit einer lautstarken Demonstration durch die Innenstadt zum Nürnberger Rathaus. Dort verlangten sie mit Reden und Sprechchören die Aufstockung ihrer Entlohnung. Zudem wurde der Oberbürgermeister an sein Versprechen erinnert. Marcus König (CSU) hatte während des Wahlkampfs 2020 die Wiedereingliederung der KNSG in des Klinikum in Aussicht gestellt. Bislang sind jedoch keine Schritte in diese Richtung unternommen worden.

Martin Schmalzbauer, zuständiger Verdi-Sekretär, zeigte sich ob des Verlaufs des ersten Streiktags zufrieden. In der KNSG seien »großartige Leute beschäftigt, die sich diese miese Bezahlung einfach nicht länger bieten lassen wollen«, sagte er am Donnerstag gegenüber jW. Verdi sei noch lange nicht am Ende mit dem Latein. Man sei weiterhin gesprächsbereit, aber selbst eine Urabstimmung über weitergehende Streikmaßnahmen wollte Schmalzbauer nicht ausschließen. Vor allem dann nicht, wenn die Chefetage der KNSG Verhandlungen über einen Tarifvertrag in Anlehnung an den TVöD fortgesetzt verweigere. Und: Entspanne sich die Pandemielage weiter, so Schmalzbauer, »werden sich noch mehr Beschäftigte an den Arbeitskampfmaßnahmen beteiligen«.

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