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Aus: Ausgabe vom 05.05.2021, Seite 8 / Inland
Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg

»Wichtiger Erinnerungsort für berühmte Künstlerin«

Nach Bangen um Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg wurde Etat wieder erhöht. Ein Gespräch mit Jörg Hänisch
Interview: Kristian Stemmler
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Die Förderung des Käthe-Kollwitz-Hauses in Moritzburg war zwischenzeitlich stark eingeschränkt worden

In Ihrer Gemeinde steht ein Käthe-Kollwitz-Haus, um dessen Erhalt gerungen wird. Wieso wird in Moritzburg der großen Künstlerin gedacht, die ja in Berlin gelebt hat?

Käthe Kollwitz hat ihre letzten Lebensmonate hier verbracht. Nachdem sie in Berlin ausgebombt war, hatte Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, der ein großer Bewunderer der Grafikerin, Bildhauerin und Malerin war, sie nach Moritzburg eingeladen. Im gegenüber vom Schloss gelegenen Rüdenhof der Familie Graf zu Münster wurden ihr zwei Zimmer eingerichtet. Käthe Kollwitz starb dort kurz vor Kriegsende, am 22. April 1945.

Wie kam es zur Einrichtung des Käthe-Kollwitz-Hauses?

Noch zu DDR-Zeiten hatte sich ein engagierter Freundeskreis von Frauen gegründet, der in dem Gebäude einen ersten Raum zum Gedenken an Kollwitz einrichtete. 1992 kam die Kreissparkasse Köln mit dem Vorschlag auf uns zu, das Haus zur Gedenkstätte umzugestalten. 1993/1994 wurde es saniert, dann eine Stiftung gegründet. Im Beirat sind neben der Kreissparkasse Köln und dem Freundeskreis auch die Gemeinde, Schloss Moritzburg, die Familie Kollwitz, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Tourismus vertreten. Mit einer grafischen Sammlung gibt das Haus Einblick in mehr als 50 Jahre künstlerischen Schaffens. Fotografien sowie Tagebuch- und Briefauszügen geben Auskunft über das Leben der Künstlerin.

Zuletzt musste um den Fortbestand der Gedenkstätte gebangt werden.

Ja. Das Kollwitz-Haus hat kein eigenes Stiftungsvermögen. Bisher wurde es mit Zuschüssen finanziert, die die Gemeinde, der Kulturraum Meißen – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und die Kölner Kreissparkasse gemeinsam aufbrachten. Vor einiger Zeit änderte der Kulturraum aber seine Förderkriterien, so dass die Zuwendungen von jährlich 50.000 auf 17.000 Euro gekürzt werden sollten. Das ist für ein Haus mit einem Etat von 140.000 Euro eine schwierige Lage. Die Gemeinde erhöhte ihren Zuschuss für 2020 und 2021 zwar von 20.000 auf 30.000 Euro, aber das allein reicht nicht.

Im Gemeinderat gab es Widerspruch gegen die Förderung, oder?

Tatsächlich sind die Ansichten, vor allem in der CDU, unterschiedlich. Mein Stellvertreter hat sehr für das Käthe-Kollwitz-Haus gekämpft. Es gab aber auch die Meinung eines CDU-Gemeinderats, Kollwitz sei doch Berlinerin gewesen, man solle doch dort ihrer gedenken. Die AfD sieht das ähnlich.

Mittlerweile haben sich für die Gedenkstätte neue Perspektiven ergeben. Wie sehen die aus?

Wir haben in der Öffentlichkeit auf die schwierige Finanzlage hingewiesen und deutlich gemacht, dass das Haus so nicht weiterbetrieben werden kann. Die Berichterstattung hat einiges angestoßen, unter anderem eine tolle Petition der Dresdner Künstlerin Konstanze Feindt Eißner, die schon von mehr als 6.000 Menschen unterzeichnet wurde. Darin wird das Haus als ein wichtiger Erinnerungsort für eine berühmte, international bedeutende Künstlerin bezeichnet, zu dem sich der Freistaat Sachsen bekennen sollte. Sachsen könne stolz auf ein solches »Kleinod der Kunst und Kultur« sein.

Die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch, CDU, hat deutlich gemacht, dass sie die Gedenkstätte erhalten möchte. Wenn der Landtag zustimmt, will das Land das Käthe-Kollwitz-Haus mit einem gewissen Anteil finanzieren und kompensieren, was anderswo gekürzt wurde. Daran ist geknüpft, dass die Stiftung über ein neues Konzept nachdenkt, mit dem neue Kreise, zum Beispiel auch jüngere Leute, für die Gedenkstätte interessiert werden können. Der Kulturraum hat die Förderung inzwischen auf 30.000 Euro festgeschrieben.

Sie sind also optimistisch, dass das Haus erhalten werden kann.

Dank der Petition und der vielen Menschen, die sich deutschlandweit dafür ausgesprochen haben, bin ich relativ sicher, dass wir das Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg erhalten können.

Jörg Hänisch ist parteiloser Bürgermeister der sächsischen Gemeinde Moritzburg

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