1000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Mittwoch, 12. Mai 2021, Nr. 109
Die junge Welt wird von 2512 GenossInnen herausgegeben
1000 Abos für die Pressefreiheit! 1000 Abos für die Pressefreiheit!
1000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 04.05.2021, Seite 11 / Feuilleton
Pop

Auf der dunklen Seite

Zuverlässig apokalyptisch: Xiu Xius Duettalbum »Oh No«
Von Tina Manske
Sziget_Festival_2011_28424757.jpg
Angela Seo und Jamie Stewart von der US-Band Xiu Xiu auf dem Sziget-Festival in Ungarn (11.8.2011)

Jamie Stewart und sein Bandprojekt Xiu Xiu – mit wechselnder Besetzung – gehören zu denen, an die man sich wendet, wenn man verlässlich auf die dunkle Seite gezogen werden möchte oder sich bereits dort befindet und noch etwas Bestätigung benötigt. »Dear God, I Hate Myself« heißt bezeichnenderweise ein Album der US-amerikanischen Gruppe aus dem Jahr 2007 (das Video zum Song wird man schwerlich vergessen können, wenn man’s einmal gesehen hat, was man unbedingt sollte). Sehr düster alles.

In diesem Gefühlszustand fühlen sich Xiu Xiu pudelwohl. Dass Xiu Xiu knapp zehn Jahre später ein Album mit den Songs zu David Lynchs Serie »Twin Peaks« machten, sagt so einiges über künstlerische Wahlverwandtschaften. Bereits seit 2009 befindet sich die Musikerin Angela Seo an der Seite von Stewart, zusammen sind sie eine Art Dream Team, perfektionieren sie gemeinsam den düsteren, postapokalyptischen Sound, den die Fans so schätzen.

Fürs aktuelle Album »Oh No« hat sich Stewart mit weiteren Musikern zusammengetan, um so etwas wie Duette aufzunehmen. Liz Harris und Owen Pallett sind dabei, ferner die deutsche Schauspielerin Susanne Sachsse. Das Stück »Sad Mezcalita« eröffnet das Album – eine gute Wahl: Das dunkle Timbre in der Stimme Sharon van Ettens zieht den Hörer in diesem eher ruhigen Song magnetisch ins Geschehen. Im Titelsong »Oh No« bleibt ­Sachsse nicht viel mehr zu tun, als den Refrain mit ihrem typischen Alt zu ergänzen und in der Bridge unverständlich herumzuschreien, aber das reicht schon. (Apropos Sachsse: Hat Stewart eigentlich schon mal einen Film von Bruce LaBruce vertont? Würde passen.) Die Single »Rumpus Room« ist eine Zusammenarbeit mit dem Sänger der Liars, mit Angus Andrew – da haben sich die Richtigen gefunden. Heraus kommt eine so düster-verzerrte wie unterhaltsame Tour de force, eine Liebesgeschichte. Die Liebe hat bei Xiu Xiu nichts Rettendes, natürlich nicht. Im Video zum Song sieht man einen Mann und eine Frau in einem erbitterten, tödlichen Fight.

»Fuzz Gong Fight« mit Angela Seo ist fast schon süffig melodisch und schwelgt in langsameren Hallgewittern. »One Hundred Years« mit Chelsea Wolfe könnte dagegen eine Fortsetzung von Portisheads »Machine Gun« sein, auf jeden Fall knallen dort genauso die Gewehrschüsse aus dem Schlagzeug – eine Soundfigur, die vorher bereits beim reduzierten »I Cannot Resist« angedeutet wird, welches zudem mit kirchlichen Gesangskonventionen spielt.

Xiu Xiu: »Oh No« (Polyvinyl/Rough Trade)

1000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Mehr aus: Feuilleton