1000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Mittwoch, 12. Mai 2021, Nr. 109
Die junge Welt wird von 2512 GenossInnen herausgegeben
1000 Abos für die Pressefreiheit! 1000 Abos für die Pressefreiheit!
1000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 23.04.2021, Seite 16 / Sport
Ausstellung

Für eine neue Welt

Dezidiert politisch: Ausstellung über die »2. Arbeiterolympiade« im Waschsalon des Karl-Marx-Hofs in Wien
Von Johannes Greß, Wien
Zillenfahrt von Wörgl nach Wien
Zillenfahrt von Wörgl nach Wien

»Nach schwerem Kampf« siegt die österreichische Fußballmannschaft gegen die Deutschen mit 3:2. Nachsatz, Nachtritt: »So stark war Deutschland noch nie.« Euphorisch berichtet die Arbeiterzeitung über die fußballerische Leistung ihrer Mannschaft im Finale der 2. Arbeiterolympiade. Neben all den Siegen, die die Österreicher bei den Sommerspielen im Juli 1931 errungen hatten, schien der Triumph im eigens errichteten Praterstadion besonders erwähnenswert.

Der Waschsalon im Karl-Marx-Hof in Wien-Döbling widmet sich in einer kleinen, aber feinen Ausstellung der Arbeiterolympiade in Wien. Die Sonderausstellung, mit einer Büste vom Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Viktor Adler auf der einen und einer von Ferdinand Lassalle auf der anderen Seite des Raums, weinroten Vorhängen und etwas sozialistischer Folklore, erinnert an eine Zeit, in der die Wiener Arbeiterbewegung nicht nur sportlich zur Hochform auflief – umringt von einem Europa, in dem der Faschismus keimte. Fünf Jahre nach den Wiener Spielen sollte in Berlin die »Hitler-Olympiade« stattfinden.

Den Kern der Ausstellung bilden vier textlastige Schautafeln, die den gesellschaftspolitischen Kontext der Arbeiterolympiade im Fokus haben. In einigen Schaukästen warten Ausstellungsstücke aus dieser Zeit auf Besucherinnen und Besucher, wie etwa Fotos vom großen Festzug und ein Fragebogen, wer den Sportlern aus aller Welt Quartier geben könnte. Musikalisch untermalt wird die Ausstellung vom sozialistischen Klassiker »Die Internationale« und dem Stück »Die Arbeiter von Wien«, und zwar in Dauerschleife.

Wien wurde 1927 nach einem Beschluss auf dem vierten Kongress der »Sozialistischen Arbeitersportinternationale« als Ausrichter der Spiele ausgewählt. Nicht zuletzt, weil der »Arbeiterbund für Sport und Körperkultur« (Askö) Ende der 1920er Jahre bereits mehr als 200.000 Mitglieder zählte und das »Rote Wien« unter Sozialistinnen und Sozialisten internationalen Vorbildcharakter besaß. Das Gebäude, in dem sich die Ausstellung befindet, der Karl-Marx-Hof, ist eine eindrucksvolle Manifestation dieser Zeit. So befanden sich unter den Zuschauern auch »junge, wanderlustige Burschen«, die wochenlang zu Fuß unterwegs waren und »sich bei dieser Gelegenheit einmal das rote Wien ansehen wollen«, wie die Arbeiterzeitung wissen ließ.

In insgesamt 117 Bewerben in 18 Sportarten maßen sich 25.000 Sportlerinnen und Sportler aus 27 Nationen, 70.000 Menschen schauten zu. Trotz der vielfach geäußerten Abgrenzungsbemühungen unterschied sich die »rote Olympiade« äußerlich kaum von den »bürgerlichen« Spielen. Doch trug die Arbeiterolympiade einen dezidiert politischen Charakter, die Veranstaltung sollte zur Machtdemonstration der internationalen Arbeiterbewegung werden. Dabei sollte nicht nur der Wettkampf untereinander, sondern die geistige und körperliche Ertüchtigung der Arbeiterinnen und Arbeiter im Fokus stehen: »neue Menschen« für eine »neue Welt«, als Vorbereitung für die sozialistische Gesellschaft, wie es in der Ausstellungsbroschüre heißt.

Folgendes Kuriosum veranschaulicht den »olympischen Geist« der Arbeiterolympiade wohl am treffendsten: Da die deutsche Fußballmannschaft ohnehin bereits 4:1 gegen Polen führte, entschloss man sich »im beiderseitigen Einverständnis«, das Halbfinale Mitte der zweiten Halbzeit vorzeitig zu beenden. Schließlich wurden zur Vorbereitung der Festspiele noch einige helfende Hände gebraucht.

Mit 60 olympischen Siegen ging Österreich als erfolgreichste Nation aus den Spielen hervor. Wobei man in der Presse artig hervorhob, dass man die Deutschen nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball, im Wasserball und im Tauziehen bezwingen konnte.

Die Sonderausstellung »2. Arbeiterolympiade in Wien. ›Neue Menschen‹ für eine ›neue Welt‹« ist bis zum 28. November im Waschsalon des Karl-Marx-Hofs in Wien-Döbling zu sehen

1000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Mehr aus: Sport