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Aus: Ausgabe vom 22.04.2021, Seite 11 / Feuilleton
K-Frage

Söder alea est

Von Pierre Deason-Tomory
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Nicht das Krokodil: Kasperlekandidat Armin Laschet (2017)

Der Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union ist endlich entschieden: Der Kasper wird’s und doch nicht das Krokodil. Ein Rätsel geblieben ist, wie das letzte Laschet-Söder-Treffen am Sonntag abend in Berlin verlaufen ist. Sie hatten sich auf neutralem Boden getroffen, im Tresorraum der Unionsfraktion im Bundestag, an einem Konferenztisch, auf dem ein Brettspiel aufgebaut war. Unter dem Tisch klebte eine Wanze, die das Geschehen direkt ins Kanzleramt übertrug, wo Bundeskanzlerin Merkel und ein Tontechniker mithörten.

»Wo is aichendlich Bayern auf dieser Kadde, Arrmin?«

»Ironischerweise in Deutschland.«

»Und wo is Deutschland?«

»Da.«

»Ah. Dange. – Kann amol anner a Bier bringer?«

*

»Was machen die da?«

»Sie spielen ›Risiko‹ um die Kanzlerkandidatur, Frau Bundeskanzlerin.«

*

»Du darfst nur mit zwei Würfeln verteidigen!«

»Des is scho a weng klainlich, Arrmin, findst ned?«

»Zwei blaue Würfel, Markus, nicht fünf!«

(Es klopft an der Tür.)

»Entschuldigen Sie bitte die Störung. Draußen steht der Abgeordnete Nüßlein, er hat hier einen Koffer stehenlassen.«

»Nüßlein? Kenn ich ned.«

»Einen Koffer mit 11,5 Millionen Euro.«

»Naus mit dir, du Brezensalzer! Und der Koffer blaibt do!«

*

(Merkels Handy klingelt.)

»Ich muss raus, kurz mit dem Kurz telefonieren. Passen Sie bitte solange für mich auf, Herr, äh –«

»Natürlich, Frau Bundeskanzlerin!«

»Gut, danke, Herr Natürlich.«

*

»Und was soll das jetzt werden?«

»Wiesoo?«

»Du kannst nicht einfach Infanterie von der Ukraine nach Ägypten ziehen!«

»Warrum?«

»Weil die Infanterie keine Flugzeuge hat?«

»Wer saggd des?«

»Das steht so in den Regeln!«

»Und wer had die gmacht?«

*

»Wie läuft’s, Herr Natürlich?«

»Sie streiten sich über das Verfahren.«

*

»Freili geht des! Ubbs –«

»Nein, so etwas Ungeschicktes!«

»Des gude Bier … Etz is dei ganze ägybdische Verdeidichung im Nil ersoffn, Arrmin! Afrigga ghört mir!«

»Das ist unfair! Unentschieden? Neuer Versuch?«

»Na gud.«

»Monopoly?«

»Mainedwechen.«

*

(Stunden später, Würfel klackern.)

»Hallo! Brezensalzer! Noch amol zwai Bier und zwai Obstler!«

*

»Mir reicht’s. Denen mache ich jetzt Beine! (Merkel greift zum Telefon.) Den BND bitte! – Den Präsidenten! – Kahl? Plan B! Lassen Sie es wie eine Razzia aussehen.«

*

»Arrmin, du gäist ei wäi a Briemerler!«

(Söder lacht, Würfel klackern.)

»Zwai, vier, sechs und – ääh …«

»Willkommen in meinem Hotel in der Schlossallee, Markus!«

»Ouh.«

»Das macht dann vierzigtausend Mark!«

»Ich hob grod ned sovill do, ich geb dir den Südbahnhof dafür.«

»Das reicht nicht.«

»Südbahnhof, Eleggdrizidädswerch und Aktienoptionen vom Guddenberch!«

»Das reicht immer no...«

»An Siemer-BMW, des Frangnstadion, die Nämbercher Burch und – oh! Arrmin, schau amol do!«

»Wo? Was meinst du?«

»Ach nix. Wievill wor des glei widder?«

»Vierzigtau… Mein ganzes Geld ist weg!«

»Dann bass hald besser auf! Hier, die Miede für die Schlossallee.«

»Danke.«

»Würrfln, Arrmin! Hobb!«

(Würfel klackern.)

»Eins, zwei, drei, vier und fünf. Ah! Eine Ereigniskarte: ›Du hast …‹«

(Es klopft an der Tür.)

*

»Guten Abend, meine Herren, Bummsrückel, BKA. Ich soll hier einen Koffer des Abgeordneten Nüßlein beschlagnahmen.«

»Nüßlein? Kenn ich ned. – Ich mou etz gehn, Arrmin, mei Fliecher wadded.«

»Und was ist mit der Kandidatur?«

»Du Kandidat, ich Koffer. Deal?«

»Abgemacht!«

»Okay. – Und wos steht etz auf deiner Erreigniskaddn?«

»Ich habe den 2. Preis in einer Schönheitskonkurrenz gewonnen.«

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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