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Aus: Ausgabe vom 21.04.2021, Seite 16 / Sport
Sportpolitik

»Der Frust ist groß«

Koalition lässt Initiative für Sportstättensanierung und Vorstoß für Transparenzportal abblitzen
Von Andreas Müller
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Der Sanierungsbedarf ist riesig: Marode Sporthallen

Über den immer lauter werdenden Rufen nach politischem Augenmaß im Umgang mit dem Breitensport und Lockerungen, über der aktuellen »Notbremsen«-Diskussion und seit der Debatte um eine neue europäische »Superklubliga« zu Wochenbeginn sind zwei sportpolitische Botschaften dieser Tage nahezu untergangen. In der Sitzung des Sportausschusses vom Bundestag am vorigen Mittwoch haben die Vertreter von CDU/CSU und SPD sowohl einen Antrag auf einen neuen »Goldenen Plan« zugunsten der Sportstätten beerdigt als auch einen Vorstoß abgewürgt, der mehr Licht ins Dunkel der Förderung bzw. Finanzierung des Spitzensports bringen sollte. Wieder einmal hatten die Abgeordneten der »großen Koalition« um die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) ihre Mehrheit in dem Gremium benutzt, um die Debatte zu drängenden Themen des Sports zu torpedieren.

Blockadehaltung

Selbst da, wo etwas ohne Geld zu machen wäre, wurde von der Blockadehaltung keinen Deut abgewichen. »Wir sind der Auffassung, dass die Sportförderung des Bundes bisher viel zu intransparent ist«, hatte Monika Lazar, Obfrau der Grünen im Bundestagssportausschuss, gegenüber jW ihren – nun erledigten – Antrag begründet. »Es ist kaum nachvollziehbar, wohin die Bundesmittel im Detail fließen. Das wollen wir mit einem öffentlich zugänglichen Transparenzportal ändern.« Die Forderungen nach mehr Transparenz beim Einsatz von Bundesmitteln fanden bei den Regierungsparteien keine Gnade. Dabei müsste doch auch in ihrem Interesse sein, dass der Fluss öffentlicher Gelder in den Spitzensport möglichst nachvollziehbar ist und die Millionen effizient eingesetzt werden.

Die Koalitionäre wollen’s lieber nicht so genau wissen. Wie sie dem Wahlvolk bereits Ende Januar eindrucksvoll klarmachten, als sie einem Antrag der Fraktion Die Linke eine Abfuhr erteilten, die sogenannte Leistungssport­reform, nachdem ihr der Bundestag am 30. Juni 2017 zugestimmt hatte, »auf den Prüfstand zu stellen«. Was wäre logischer als ein Zwischenfazit, was die Reform nach vier Jahren substantiell gebracht hat? Lieber nicht hinsehen und das Großprojekt, von dem man seit Monaten nichts mehr hört und sieht, irgendwie dahindümpeln lassen statt einem straffen Controlling zu unterziehen.

Nun haben die Linken angesichts der katastrophalen Situation der Sportstätten beantragt, ab diesem Jahr ein Sanierungsprogramm aufzulegen, zu dem der Bund über mindestens eine Dekade hinweg jährlich eine Milliarde Euro beisteuern soll. Länder und Kommunen seien durch Kofinanzierungen »angemessen zu beteiligen«. Nur so könne dem vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf 31 Milliarden bezifferten »Sanierungsstau« wirkungsvoll begegnet werden. Um bei den bundesweit rund 231.000 Sportstätten wenigstens den Status quo zu erhalten und einen weiteren Verfall zu vermeiden, seien pro Jahr zusätzlich bis zu zwei Milliarden Euro nötig – zu diesem Ergebnis war eine Studie zum »Wirtschaftsfaktor Sportstätten«, übrigens vom Bundesministerium für Wirtschaft beauftragt, bereits 2014 gekommen.

Praxisfremd

»Ich bin entsetzt, dass die Koalition einerseits immer betont, sie wüsste um die Probleme bei den Sportstätten, und andererseits nichts dagegen unternimmt und tatenlos bleibt«, sagte der stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende André Hahn nach der neuesten Enttäuschung gegenüber jW, nachdem das Thema am vorigen Donnerstag sogar einmal im Plenum des Bundestages auf der Tagesordnung stand. Der Verweis der Regierung auf bestehende Programme zugunsten der Sportstätten sei laut Hahn nicht überzeugend und praxisfremd. Es gelte, die für die Sanierung benötigten Summen endlich an den Bedarf anzupassen. »Der Sport wartet darauf, und der Frust ist groß.« Der »Sportsgeist« der parlamentarischen Majorität erschöpfte sich einmal mehr darin, die Opposition auflaufen zu lassen. In bezug auf Sporthallen, -anlagen und Bäder könnten sich im Regierungs­lager sogar ziemlich krude Erwägungen hinzugesellt haben: Was interessieren uns die Stätten für den Breiten- und Amateursport, die erstens Ländersache sind und zweitens in Zeiten des Unendlich-Shutdowns sowieso niemand mehr braucht?

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Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

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