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Aus: Ausgabe vom 21.04.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Kavaliersdelikt

Geldwäsche bei ABN Amro

Amsterdamer Großbank muss wegen »mangelnder Sorgfalt« 480 Millionen Euro zahlen
Von Gerrit Hoekman
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Parteifreund des niederländischen Premiers Mark Rutte: Gerrit Zalm läutet den Börsengang von ABN Amro in Amsterdam ein (20.11.2015)

ABN Amro muss eine Strafe von 480 Millionen Euro zahlen. Darauf habe sich die niederländische Großbank mit der Staatsanwaltschaft in Den Haag am Montag geeinigt. Der Finanzkonzern habe jahrelang gegen das Geldwäscheverbot verstoßen. Gegen drei ehemalige Vorstandsmitglieder wird strafrechtlich ermittelt, meldete die Nachrichtenagentur dpa am Montag.

Die Ermittlungen gegen die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Bank begannen 2019. Es ging um Transaktionen zwischen 2014 und 2020. Dabei stellte sich heraus, dass die ABN gegen das »Gesetz zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung« verstoßen hat. Dieses verpflichtet Geldäuser, potentielle Kunden eingehend zu prüfen und diese nach Geschäftsaufnahme später auch weiter zu kontrollieren. Verdächtige Geldströme müssen umgehend der Financial Intelligence Unit Netherlands (FIU) gemeldet werden.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ließ ABN bei Geschäften die geforderte Sorgfalt vermissen. Millionen Kunden seien nach einer Standardüberprüfung als unproblematisch eingestuft worden. »Diese Kunden wurden in der Folge weniger häufig überprüft und fielen daher weniger wahrscheinlich auf, wenn sie in Geldwäsche verwickelt waren«, berichtete der öffentlich-rechtliche Senderverbund NOS am Montag. Weder habe die Bank die Kontoinhaber noch die Herkunft des Geldes ausreichend abgeklopft. »Auffällige Bargeldtransaktionen wurden als Geldtransfers betrachtet und lösten daher keinen Alarm im Überwachungssystem aus«, so NOS weiter. In einem Fall stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass von einem Konto 17,5 Millionen Euro abgehoben wurden – mit 17 verschiedenen Bankkarten. ABN Amro habe den Vorfall zwar der Kontrollbehörde FIU gemeldet, aber das Risikoprofil des Kontoinhabers nicht sofort angepasst. Dadurch konnte der Missbrauch noch zwei Jahre fortgesetzt werden.

Die Staatsanwaltschaft ist inzwischen überzeugt, dass Vorstand und Aufsichtsrat wussten, was läuft. Die konzerninterne Revision und die niederländische Zentralbank hatten mehrfach auf die Fehler hingewiesen. Deshalb wird nun auch gegen drei ehemalige Vorstandsmitglieder ermittelt. Chris Vogelzang zog am Montag die Konsequenzen und trat von seinem heutigen Posten als Vorstandsvorsitzender der dänischen Danske Bank zurück. Er hatte ABN Amro im Dezember 2016 verlassen.

Prominentester Verdächtiger ist Gerrit Zalm, ein Parteifreund von Ministerpräsident Mark Rutte. Zalm war mit kurzen Unterbrechungen von 1994 bis 2007 niederländischer Finanzminister. Am Montag legte er ebenfalls sein Amt als Vorstandsmitglied der Danske Bank nieder. Der Dritte im Bunde ist der ehemalige Wirtschaftsminister und Christdemokrat Joop Wijn, der von 2009 bis 2017 im Vorstand von ABN Amro war. Heute sitzt er im Aufsichtsrat des Flughafengesellschaft Schiphol und des Versicherers ASR Nederland.

Der Witz dabei: Zalm und Vogelzang sollten eigentlich mithelfen, die Strukturen der Danske Bank zu reformieren. Die Dänen waren vor wenigen Jahren selbst in einen gigantischen Geldwäscheskandal verwickelt. Zwischen 2007 und 2015 sollen 128 Milliarden Euro aus dubiosen Geschäften über Konten der Filiale in Estland gelaufen sein.
Sind die Renditen zu hoch, die bei solchen Geschäften winken, oder warum sonst werden die Banken nicht klug? ABN Amro hätte jedenfalls gewarnt sein müssen, nachdem der niederländische Konkurrent ING 2018 wegen Geldwäsche zu einer Rekordstrafe von 775 Millionen Euro verdonnert worden war. Das zunächst eingestellte Strafverfahren gegen den früheren ING-Chef Ralph Hamers wurde übrigens im Dezember wieder aufgenommen. Hamers ist inzwischen Vorstandschef des Schweizer Bankriesen UBS.

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