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Aus: Ausgabe vom 19.04.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Covid-Strategie Großbritannien

Mehr Tote in Kauf genommen

Großbritanniens Premier propagiert Öffnung und Freiheiten für gegen Corona Geimpfte
Von Christian Bunke, Manchester
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»Mit dem Virus leben«: Die britische Regierung nimmt steigende Todeszahlen für Öffnungsschritte in Kauf (London, 17.4.2021)

Seit dem 12. April haben in England Geschäfte wieder geöffnet. Die Gastronomie darf im Freien Gäste bewirten. Ab dem 23. April sollen Schottland, Wales und Nordirland folgen. Weitere Öffnungsschritte sind für Mai angekündigt. Dies alles sei aufgrund des erfolgreichen Impfprogramms möglich, so die Regierung.

Gleichzeitig bereitet Premierminister Boris Johnson die Bevölkerung auf die möglichen Konsequenzen dieser Öffnungspolitik vor. Schon im Februar hatte er in einer Fernsehansprache gesagt, es werde keinen »Zero-Covid-Planeten« geben. Man müsse lernen, mit dem Virus zu leben. Die daraus resultierenden bedauerlichen Todesfälle seien ein Preis der Freiheit. Am 13. April legte Johnson nach: »Die Lockerungen werden unausweichlich zu einem Anstieg der Todesrate führen.« Auch die wachsende Durchimpfungsrate werde daran nichts ändern. Die Impfstoffe seien nicht perfekt. Die rapide gesunkenen Infektionszahlen der vergangenen Wochen seien hauptsächlich durch die Lockdownmaßnahmen möglich gewesen.

Sekundiert wird Johnson dabei von der ihm während der Pandemie zuarbeitenden »Wissenschaftlichen Beratungsgruppe für Notfälle« (SAGE). Diese rechnet bis Juli mit einem neuerlichen Anstieg bei Neuinfektionen und Todesfällen aufgrund der Öffnungsschritte – ähnlich dem vom Januar. Zudem hätten die wirtschaftlich und sozial aktivsten Bevölkerungsteile bislang noch keinen Impfstoff erhalten, und auch die besten Impfstoffe schützten nicht vollständig vor einer Infektion. Neue Virusvarianten könnten den Impfschutz zusätzlich einschränken.

Somit setzt die Regierung einerseits weiterhin auf die von ihr von Beginn an propagierte Durchseuchungsstrategie. Zusätzlich arbeitet sie an der Errichtung eines neuen Privilegiensystems durch die Einführung von Impf- und Immunitätsausweisen. Gesundheitsminister Matthew Hancock denkt offen darüber nach, diese für Beschäftigte im Pflegebereich verpflichtend zu machen. Das berichtete unter anderem die Tageszeitung Daily Mail am Donnerstag. Durch diese Impfpässe droht eine neue Diskriminierung der prekärsten Teile der Lohnabhängigen Großbritanniens, da sie den Zugang zu Jobs und Dienstleistungen einschränken könnten. Die britische Gleichheits- und Menschenrechtskommission hat bereits Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer solchen Maßnahme angemeldet.

Die geplanten Impfausweise sollen zusätzlich den Zugang zu großen Teilen des öffentlichen Lebens, wie etwa den Besuch von Sport- und Kulturveranstaltungen oder der Gastronomie, reglementieren. Profitieren sollen davon in erster Linie private Konzerne, die mit der Bereitstellung der Impfpässe auch massenhaft an neues Datenmaterial gelangen können. So arbeitet laut Informationen der Daily Mail ein Konsortium verschiedener britischer Unternehmen bereits an der Herstellung eines Schnelltestverfahrens für Immunitätsnachweise mitsamt digitaler App für das Smartphone. Das Konsortium sei im Gespräch mit großen Sportveranstaltern im Fußball und Rugby. Am 15. Mai gibt es einen ersten Großversuch. Dann steigt das FA-Pokalfinale der Männer im Wembley-Stadion vor 21.000 zahlenden Gästen. Die Mitführung eines Impfnachweises ist verpflichtend.

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