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Aus: Ausgabe vom 17.04.2021, Seite 8 / Ansichten

Schöne neue Welt des Tages: Tönnies-Werk

Von Emre Sahin
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Äußerlich verändert, drinnen bleibt es gleich: Das Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück am Freitag

Clankriminalität soll ja ein großes Problem sein in der BRD: Fast wöchentlich äußern sich Politiker zu »arabischen Großfamilien« in Berliner Stadtteilen. Dabei scheint ihnen das Hauptgebiet entgangen zu sein: Das beschauliche Ostwestfalen mit den Clans Oetker, Mohn (Bertelsmann) und Tönnies, um nur einige wenige zu nennen. So ist das wohl, wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht.

Im Rhedaer Reich hat es sich Tönnies unter Clanchef Clemens besonders gemütlich gemacht. Gelegentlich stört zwar die Fehde mit dem Neffen Robert den Alltag, aber das ist das geringste Problem. Das Image des Fleischkonzerns ist hin! Nachdem über Jahre hinweg über die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen von mehrheitlich osteuropäischen Beschäftigten berichtet worden ist (ohne dass sich was geändert hat), platzte im Sommer 2020 den Menschen in Ostwestfalen der Kragen: Tausende Coronainfizierte in den Tönnies-Werken sorgten dafür, dass die Region über Nacht zum Hochrisikogebiet wurde.

Nun soll es einen Neuanfang geben, verspricht der Konzern und weiß auch gleich wie: Das meterhohe Tiergruppenlogo auf dem Werksareal soll abmontiert werden. »Eine symbolische Erneuerung«, so der Fleischhersteller. Auch Geschäftsführer André Vielstädte war nicht um Worte verlegen, und nannte das den Beginn einer anderen Zeitrechnung. Parallel gab es die Ergebnisse einer Studie, die beweisen sollte, wie wichtig der Konzern als »Zugpferd« für die Region sei.

Aber keine Sorge: Sollte der groß angekündigte Neuanfang scheitern, ist notfalls CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus zur Stelle, um die (Konzern-)Interessen seines Wahlkreises zu verteidigen. Vielleicht müssen die Neuköllner Großfamilien es den Ostwestfalen gleichtun und einfach an die CDU spenden. Dann gibt es bestimmt keine Razzien mehr in Berliner Shishabars.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in felix s. (16. April 2021 um 21:36 Uhr)
    Muss denn diese Verharmlosung von Clankriminalität wirklich sein?

    Mir geht das auf die Nerven.

    Jeder, der eine einschlägige Großstadt in Deutschland bewohnt, muss mitbekommen haben, dass es Formen organisierter Kriminalität gibt, die ethnisch ziemlich klar zuzuordnen sind. Das hat mit der Kriminalität des deutschen Kapitals möglicherweise etwas zu tun, aber es ist doch mutwilliger Unfug, die eine Art von bekämpfenswürdiger Kriminalität gegen die andere auszuspielen.

    Das Verharmlosen von durch ethnisch Nichtdeutsche begangener Kriminalität ist nicht links, sondern kurzsichtig und schädlich. Die Linke macht sich unglaubwürdig und fällt auch denen in den Rücken, die aufgrund ständiger Präsenz in ihrer unmittelbaren Umgebung vor dem Phänomen »Clankriminalität« nicht einfach den Kopf in den Sand stecken können.

    Die Stoßrichtung des wesentlichen Inhalts des Beitrags geht ja völlig in die richtige Richtung. Aber der polemische Seitenhieb stößt mir auf.

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