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Aus: Ausgabe vom 13.04.2021, Seite 4 / Inland
Kanzlerkandidatur von CDU und CSU

Union übt Schulterschluss

CDU-Spitze für Kanzlerkandidatur von Armin Laschet. Betonte Geschlossenheit
Von David Maiwald
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Nähe zeigen: Markus Söder und Armin Laschet geben sich trotz des Machtkampfes einig und versöhnlich (Münster, 27.4.2019)

Knapp ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl im September hat das Tauziehen um die Kanzlerkandidatur bei den Unionsparteien offiziell begonnen. Nachdem am Sonntag der CDU-Vorsitzende Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder ihre Kandidatur für die Kanzlerschaft angekündigt hatten, traten am Montag die Spitzengremien der CDU zusammen. Teile der Unionsparteien hatten sich zuvor bereits zum jeweiligen Wunschkandidaten geäußert.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gab am Montag vormittag bekannt, dass sich das CDU-Präsidium ausnahmslos für eine Kanzlerkandidatur von Armin Laschet ausgesprochen habe. Das Spitzengremium habe ihn gebeten, »mit Markus Söder jetzt gemeinsam den weiteren Weg zu besprechen«. Bei einer Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus zeigte sich Laschet zufrieden über die breite Unterstützung aus den Spitzengremien und betonte die Gemeinsamkeiten von CDU und CSU. Er war erkennbar in Wahlkampfstimmung und nutzte die Pressekonferenz zum Skizzieren seiner politischen Vorstellungen als möglicher Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Er wünsche sich eine schnelle Entscheidung in der Kandidatenfrage und werde noch am Montag mit Markus Söder das Gespräch suchen, sagte Laschet. Söder hatte seine Kandidatur bereits am Sonntag von einer breiten Unterstützung durch die CDU abhängig erklärt. Im CSU-Präsidium, das Söder am Montag nachmittag als Kandidaten bestätigte, erklärte er laut Nachrichtenagentur dpa, der gemeinsame Kanzlerkandidat der Unionsparteien müsse auch von einer breiten Mehrheit der Mitglieder getragen werden.

Auch wenn beide Kandidaten angegeben hatten, sich im Vorfeld freundschaftlich ausgetauscht zu haben, dürfte sich in nächster Zeit ein erneuter Machtkampf in der Union abzeichnen. Dort werden die Stimmenverluste bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie die infolge nicht enden wollender Korruptionsaffären sinkenden Umfragewerte mit demonstrativer Geschlossenheit beantwortet.

Die bekam jedoch am Montag morgen schon erste Risse. So sprach sich die Landesspitze der Berliner CDU für Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder als Kanzlerkandidat aus, wie der Landesvorsitzende Kai Wegner mitteilte. Man sei überzeugt, dass Laschet wie Söder für das Kanzleramt geeignet seien, eine Führung würde Söder von der Bevölkerung jedoch eher zugetraut, so Wegner. Aus Düsseldorf hatte sich ebenfalls am Montag ein erster Ortsverband im von Laschet als Ministerpräsident geführten Nordrhein-Westfalen für Söder ausgesprochen. Dieser habe seinen Kurs im Umgang mit der Coronapandemie im Vergleich mit Laschet besser vermitteln können, sagte der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Ralf Backens gegenüber dpa.

Die Junge Union (JU), die sich in der Debatte um den Parteivorsitz im vergangenen Jahr noch mit großer Mehrheit für Laschets damaligen Konkurrenten Friedrich Merz ausgesprochen hatte, befürwortet nun ein »starkes« Mandat Laschets und mahnte ebenfalls zur Geschlossenheit. Es sei wichtig, schnell gemeinsam mit der CSU über eine Kanzlerkandidatur zu entscheiden, sagte der JU-Vorsitzende Tilman Kuban laut dpa in Beratungen des CDU-Vorstandes.

Entsprechend freundschaftlich gab sich auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bei der Pressekonferenz am Montag nachmittag. Geschlossenheit sei die gemeinsame Stärke beider Parteien. Neben der Frage der Kanzlerkandidatur ginge es »aber immer in erster Linie um die Bekämpfung der Pandemie und die Bewältigung der aktuellen Situation«, sagte Ziemiak – und reagierte damit auf Äußerungen von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der die Diskussion um die Kanzlerkandidatur in der Augsburger Allgemeinen (Dienstagausgabe) laut Vorabmeldung der dpa angesichts steigender Zahlen von Coronainfektionen als »egoistisch« und »unverantwortlich« kritisiert. Für Laschet und Söder würde die Bekämpfung der Coronapandemie durch den »offenen Machtkampf« in den Hintergrund geraten.

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