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Aus: Ausgabe vom 09.04.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Indo-pazifische Wende

Großbritannien sortiert sich neu

London setzt strategischen Schwerpunkt auf Asien, Osteuropa wird zweitrangig. Ausrichtung bringt BRD Nachteile
Von Jörg Kronauer
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Symbol des britischen Imperialismus: Die Grenadiergarde bei einer Militärparade in London (Juni 2014)

Eigentlich nimmt die Militär- und Rüstungskooperation mit Großbritannien in den strategischen Planungen der Bundesrepublik einen wichtigen Stellenwert ein. Eine engere Ausbildungs- und Übungskooperation zwischen den Streitkräften beider Länder sowie ein regelmäßiger bilateraler Austausch: Das waren einige der Maßnahmen, die die Verteidigungsminister beider Länder am 5. Oktober 2018 in einer gemeinsamen Absichtserklärung in den Blick nahmen. Auch auf deutsche Initiative hat die EU ihr Projekt »Pesco«, das die Aufrüstung der Union und die Kooperation ihrer Streitkräfte forcieren soll, mit Blick auf Großbritannien – wenngleich unter recht eng gefassten Bestimmungen – für Drittstaaten geöffnet. Die Motive liegen auf der Hand: Die britischen Streitkräfte gelten neben denjenigen Frankreichs als die schlagkräftigsten in Westeuropa, und die britische Rüstungsindustrie hat erhebliches Know-how. Auf beides will Berlin bei künftigen EU-Militäreinsätzen und bei der Aufrüstung der Union trotz des »Brexits« nach Möglichkeit nicht verzichten.

Nun sieht es aber für die deutschen Kooperationspläne womöglich noch schlechter aus, als von Berlin befürchtet. Das lässt das neue Grundsatzpapier zur außen- und militärpolitischen Strategie des Vereinigten Königreichs erahnen, das nach einjähriger Vorarbeit im März publiziert worden ist. Einen zentralen Stellenwert in dem Dokument (»Global Britain in a competitive age«) nimmt die »indopazifische Wende« (»Indo-Pacific tilt«) ein, die sich schon lange angekündigt hat, jetzt aber fest ausformuliert ist. Im Kern geht es darum, dass Großbritanniens herrschende Kreise sich vor allem dorthin orientieren, wo in Zukunft die wirklich großen Profite gemacht werden und wo deshalb auch die Musik der Weltpolitik spielen wird: nach Asien. »Global Britain« sieht für die künftige Kooperation mit den Vereinigten Staaten ebenfalls einen zentralen Stellenwert vor, und auch mit der EU will London weiterhin eng kooperieren. Der Schwerpunkt aber liegt am Pazifik.

Für Berlin ist das wenig vorteilhaft. Zwar setzt auch die Bundesregierung auf stärkere, auch militärische Aktivitäten in Asien; zwar teilen die deutschen und die britischen Eliten das Interesse, trotz aller Konfrontation mit Beijing ihr hochprofitables China-Geschäft nicht zu schädigen. Doch ist zu erwarten, dass das Vereinigte Königreich künftig aufgrund seiner indopazifischen Wende denjenigen Regionen weniger Aufmerksamkeit schenken wird, die für die EU ganz zentrale Bedeutung haben: Osteuropa und der Region südlich und östlich des Mittelmeers. In militärische Aktivitäten dort dürfte Großbritannien auf lange Sicht deutlich weniger investieren als bisher. Die Option, ihre Außen- und Militärpolitik nach dem »Brexit« ganz nach ihren eigenen Interessen zu gestalten, zahlt sich für die britischen Eliten aus. Den deutschen Eliten bringt sie Nachteile.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

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