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Aus: Ausgabe vom 08.04.2021, Seite 8 / Inland
Brennpunkt Dannenröder Wald

»Wir sind daraus gestärkt hervorgegangen«

Klimaschutzaktivisten kämpfen weiter um Erhalt des Dannenröder Forstes. Ein Gespräch mit Julia Friedberg
Interview: Gitta Düperthal
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Trotzen Kälte und Staatsmacht: Aktivisten vor einem Wasserwerfer der Polizei im Dannenröder Forst (5.12.2020)

Nach der brutalen Räumung durch die Polizei Ende 2020 im Dannenröder Wald geht es dort ab diesem Freitag bis 18. April mit einem Klimacamp weiter. Der Bau der Autobahn 49 war trotz Widerstands nicht zu stoppen. Warum geben Sie nicht auf?

Es gibt viele Gründe, warum wir weiter protestieren. Erstens ist hier noch nicht alles gerodet, zweitens verstößt der Bau der A 49 gegen die EU-Richtlinien, drittens wurde der Planfeststellungsbeschluss nicht eingehalten. Demzufolge haben wir noch Hoffnung, dass der Autobahnbau nicht endgültig vollzogen werden kann.

Sie meinen immer noch, auch gegen den Repressionsapparat ankämpfen zu können?

Wir haben erlebt, dass die Politik vor nichts zurückschreckt und die Polizei gegen uns losschickt, um uns zu drangsalieren, zu verletzen und einzuschüchtern. Dies ist aber fehlgeschlagen. Wir sind aus diesem Prozess gestärkt hervorgegangen und überzeugt, weiter gegen das komplette Versagen der politisch Verantwortlichen angehen zu müssen, um eine Abkehr von dieser umweltschädlichen Entwicklung zu erreichen.

Dient das am Freitag beginnende Programm des Camps der Selbstvergewisserung oder dem Lernen für den politischen Widerstand?

Wir wollen Neues für unseren Widerstand lernen, uns aber auch neu miteinander vernetzen. Leute, die im Winter geräumt wurden, können sich so wiedertreffen und neue Pläne schmieden. Referentinnen und Referenten werden uns auf wissenschaftlicher Basis zu Umweltthemen informieren. So wird es einen Workshop zur Permakultur geben. Die kenianische Umweltaktivistin und Schriftstellerin Phyllis Omido wird zu internationalen Produktionsketten reden. Sie hat in Kenia in einer Fabrik gearbeitet, in der das Blei aus alten Autobatterien eingeschmolzen wurde. Von da aus wurde es als Recyclingprodukt wieder ins Ausland verschifft. Sie engagiert sich gegen Bleivergiftung und organisiert die Umweltbewegung dort maßgeblich mit. Wichtig ist auch die Frage, wie wir uns als Aktivistinnen und Aktivisten miteinander vernetzen können, ohne uns der Überwachung preiszugeben.

Vergangene Woche wurde die »Grüne Lunge« in Frankfurt am Main besetzt (jW vom 3.4.), damit die Freifläche nicht durch Immobilienspekulation zerstört wird. Am Mittwoch wurde im Norden gegen die A 39 demonstriert, »Verkehrswende jetzt, auch in Lüneburg« hieß es. Zersplittert sich die Bewegung?

Klar kostet das Kraft und fordert uns. Andererseits ist es so möglich, lokal Aktivistinnen und Aktivisten zu organisieren. Sie können dort, wo sie wohnen, dezentral aktiv sein und müssen nicht erst anreisen. So können auch neue Menschen angesprochen und aktiviert werden. Wir stehen aber im regen Austausch miteinander. Leute vom Danni helfen etwa beim Aufbau der Strukturen in der »Grünen Lunge«. Wir können die unterschiedlichen Orte für unsere Bewegung nutzen.

Wer macht beim Klimacamp unter dem Motto »Danni lebt« mit?

Menschen aus der ganzen Republik kommen zusammen. Der »Danni« ist zum größten Symbol des Widerstandes gegen eine verfehlte Klimapolitik geworden. Wir konnten viel voneinander lernen und Know-how im Camp entwickeln. Deshalb kommen Leute aus Dänemark, Spanien, Großbritannien und der Schweiz, um mitzuwirken. Wäre Corona nicht, wäre europaweiter Protest noch stärker hier angekommen.

Geht es Ihnen auch um andere Politikfelder?

Wir haben autonome und anarchistische Strukturen, weil wir die Form von Herrschaft kritisieren, die mit der Umweltzerstörung einhergeht. Wir bewegen uns im linken Spektrum. Es geht in Richtung Antikapitalismus. Viele kommen aus der Bewegung des Anarchosyndikalismus oder des libertären Kommunismus, basierend auf der Organisierung von Lohnabhängigen und den Prinzipien von Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Solidarität. Wir sind auch beim Antimilitarismus und in der Antikriegsbewegung aktiv.

Julia Friedberg ist Aktivistin des ­Klimacamps im Dannenröder Wald

Mehr Infos unter: wald-statt-asphalt.net

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

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