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Aus: Ausgabe vom 08.04.2021, Seite 5 / Inland
Corona und Lehre

Azubis in Sorge

Pandemie erschwert Ausbildung. Gewerkschaften warnen vor Stigmatisierung der »Coronajahrgänge«
Von Emre Sahin
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Fehlen in Covid-19-Zeiten oftmals: Ausbilder als Ansprechpartner (Remscheid, 12.2.2020)

Anlässlich der bevorstehenden Abschlussprüfungen für Auszubildende hat die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) vor coronabedingten Nachteilen für die Azubis gewarnt. In einer Pressemitteilung vom Mittwoch forderte Nicole Simons, Bundesvorstandsmitglied und zuständig für die Junge BAU, Auszubildende auf dem Arbeitsmarkt nicht als sogenannte Coronajahrgänge mit geringer Qualifizierung zu stigmatisieren. Es sei zu verhindern, dass ihnen bei Bewerbungen aufgrund der Pandemie Nachteile entstünden.

Zudem wurde in der Pressemitteilung verlangt, dass in den Abschlussprüfungen nur das abgefragt werde, was auch an Lernstoff vermittelt worden sei. Außerdem dürften Prüfungsverschiebungen wegen der Pandemie keine finanziellen Nachteile für die Auszubildenden bedeuten. Die Gewerkschaft schlägt vor, dass die Lerninhalte, die während der Pandemie verpasst wurden, nachgeholt werden sollen: etwa im nächstmöglichen Jahr der Lehre durch vermehrten Einsatz in den Berufsschulen oder den überbetrieblichen Ausbildungszentren. Dafür sollten die Unternehmen die Leute entsprechend freistellen. Dies sei aktuell das Hauptproblem, erklärte Moritz Greil, Bundesjugendsekretär der IG BAU, gegenüber jW. »Die Auszubildenden sind aktuell viel im Beruf und werden nicht freigestellt, damit sie lernen können«. Zudem herrsche viel Ungewissheit, da es in einigen Branchen keine Übernahmeregelungen gebe, so Greil.

Wie gut sich die Auszubildenden auf die kommenden Prüfungen vorbereiten können, hänge laut Greil vor allem mit den digitalen Fähigkeiten des Lehrpersonals zusammen: Es gebe viele Lehrerinnen und Lehrer, die in diesem Bereich abgehängt seien. Auch seien die Berufsschulen finanziell nicht so ausgestattet, dass sie den entsprechenden technischen und didaktischen Standard gewährleisten könnten. An den Schulen gebe es lediglich ein, zwei Leihgeräte, aber es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Auszubildenden, die auf einen geliehenen Laptop angewiesen seien, deutlich höher liege. Nicht alle Schülerinnen und Schüler könnten sich einen eigenen Laptop leisten, und »mit dem Smartphone ist es extrem schwierig, dem (digitalen) Unterricht zu folgen«.

Ähnlicher Auffassung ist auch DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. Gegenüber jW sagte sie, dass durch die Pandemie die Qualität der Lehre leide. »Oft sind Ausbilderinnen und Ausbilder in Kurzarbeit und fehlen als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.« Ob unter Pandemiebedingungen eine ausreichend gute Prüfungsvorbereitung stattfinden kann, sei fraglich. Das gelte insbesondere in den vom Shutdown betroffenen Branchen. Aber auch nach einem erfolgreichen Abschluss der Prüfungen bleibe die Situation der Auszubildenden schwierig, denn »es finden kaum Berufsorientierung und -beratung oder Messen statt«, so Conte. 2021 sei erneut mit einem Einbruch bei der Zahl der Ausbildungsplätze zu rechnen. Besonders schwer sei die Situation dabei für Menschen mit Hauptschulabschluss, die bereits vor der Pandemie Schwierigkeiten hatten, einen Platz zu finden.

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