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Aus: Ausgabe vom 07.04.2021, Seite 8 / Ansichten

Beschnüffelobjekte des Tages: Linke

Von Arnold Schölzel
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Das Amt verpetzt sich selbst, was auf Konsum von zuviel saisonüblichem Klötenköm schließen lässt

Niemand hat die Absicht, Die Linke zu verbieten. Es sei denn im Landesverfassungsschutz Niedersachsen wurde wieder mal zuviel ostfriesischer Landwein (Doppelkorn) vertickt oder die AfD-Zelle im Amt ist hyperaktiv. Die sturmfest erdverwachsene Behörde kämpft jedenfalls wie ein gallisches Dorf sogar mit V-Leuten gegen die rote Flut, berichtete die Taz am Dienstag. Und das Amt verpetzt anschließend sich selbst, was eher auf Konsum von zuviel saisonüblichem Klötenköm (Eierlikör) schließen lässt. Vor Ostern flatterten nämlich drei Linke-Mitgliedern im vom Harz ab platten Land (jeder auf zehn Kilometer Entfernung sichtbar) Briefe ins Haus, in denen der Amtsschimmel unter Heranziehung zahlreicher Paragraphen wieherte, dass sie mit nachrichtendienstlichen Mitteln überwacht worden seien. V-Leute waren auch dabei. Das sei vorbei, weswegen man die Pflicht habe, sich bei den Delinquenten – denn das sind sie alle – melden zu müssen. Bleibt nur die Frage: War der niedersächsische VS nicht auch beim NSU immer mit dabei? Ja, selbstverständlich, indem er nichts tat. Klar, dass das mit verdoppelten Anstrengungen bei den wirklichen Extremisten, den linken, denn es gibt nur die, wiedergutgemacht werden muss.

Das Niederland soll sich ein Vorbild am wirklichen Sachsen nehmen: Das Beschnüffeln und Wegsperren von Linken ist dort eine Herzensangelegenheit der Polizei, wie ebenfalls am Dienstag die Süddeutsche Zeitung berichtete. Da werden z. B. zehn Monate nach dem Abfackeln von Baufahrzeugen Spürhunde zum Tatort geschickt, anschließend sitzen zwei Leute im Untersuchungsgefängnis, weil die Supernasen angeschlagen haben. Bis ein Gericht feststellt: Hundegebell reicht nicht für Knast. Der sächsische Linkenoberverfolger sagt: »Wir weichen nicht zurück.« Hauptsache, sie haben einen. Beweise finden sich, die riechen noch nach Jahren.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

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Debatte

  • Beitrag von Ralf S. aus G. ( 6. April 2021 um 19:59 Uhr)
    Vor allem in Niedersachsen stellt Die Linke ja auch wirklich eine Gefahr dar.
  • Beitrag von Sabine F. aus W. ( 7. April 2021 um 16:22 Uhr)
    In Niedersachsen wurde dieses Schreiben nicht nur an Mitglieder der Partei Die Linke verschickt. Wie Euch bereits einige Tage vor Erscheinen dieses Artikels mitgeteilt wurde, wurden allein in Oldenburg fünf weitere Menschen mit diesem Schreiben überrascht. Dies hat allerdings bei weitem nicht das Medienecho gefunden wie jetzt bei den Mitgliedern einer »parlamentarischen« Partei, denn die Überwachung/Beobachtung in Oldenburg wurde im Zusammenhang mit der DKP durchgeführt, und da ist es ja anscheinend »normal«, überwacht zu werden. Enttäuschend, dass eine Zeitung wie die jW sich einfach dem Mainstream unterordnet!

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