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Aus: Ausgabe vom 12.03.2021, Seite 15 / Feminismus
Frauenkampftag in Lateinamerika

Stärke demonstriert

Frauenkampftag in Lateinamerika: Trotz Coronapandemie mobilisieren Feministinnen zu Protestaktionen
Von Frederic Schnatterer
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Von Tränengasnebel umhüllt versuchen Frauen am Montag, den Zaun um den Nationalpalast im Zentrum von Mexiko-Stadt einzureißen

An einem von der Coronapandemie geprägten Frauenkampftag sind am Montag Hunderttausende in ganz Lateinamerika auf die Straßen gegangen. Trotz der Einschränkungen zur Reduzierung eines Infektionsrisikos machte die feministische Bewegung wieder einmal deutlich, dass sie sich weiter im Aufwind befindet und vielleicht sogar als derzeit bedeutendste soziale Bewegung in der Region gesehen werden kann. Dabei reichen ihre Forderungen von einem Ende der Gewalt gegen Frauen über gleiche Löhne bis hin zu dem Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Besonders Mexiko, Argentinien und Chile gelten seit Jahren als Zentren der Bewegung in Lateinamerika.

Gerade die Bilder von wütenden Demonstrantinnen in Mexiko-Stadt am Montag sind beeindruckend. Teils vermummt schleuderten sie Steine gegen den Regierungspalast und rissen eine meterhohe Absperrung vor dem Präsidentenpalast teilweise ein. Die Bilder stehen symbolisch für einen Konflikt, in dem sich die Fronten zwischen dem als links geltenden Präsidenten Andrés Manuel López Obrador und der feministischen Bewegung im Land immer weiter verhärten. Auf der einen Seite der Staatschef, der erklärt, Frauenrechte seien eine Priorität seiner Regierung, gleichzeitig jedoch einen Gouverneurskandidaten schützt, gegen den mehrere Vergewaltigungsvorwürfe im Raum stehen. Auf der anderen feministische Kollektive, die die »Untätigkeit« der Verantwortlichen beispielsweise bei Femiziden anprangern.

Der Konflikt war aus Sicht der Feministinnen wenige Tage vor dem 8. März weiter angeheizt worden. Am Sonnabend stellten die Behörden einen Stahlzaun rund um den Präsidentenpalast gegen vermeintliche Provokateurinnen auf – laut López Obrador eine »Mauer des Friedens«. Nur wenige Stunden später verwandelten Hunderte Frauen die Absperrung am zentralen Zócalo-Platz in eine »Mauer des Erinnerns« und schrieben mit weißer Farbe die Namen von ermordeten Frauen auf den Zaun. In Mexiko werden offiziellen Angaben zufolge täglich zehn Frauen ermordet.

Auch in Chile ist die feministische Bewegung mittlerweile eine Größe, mit der in der politischen Auseinandersetzung zu rechnen ist. Seit Oktober 2019 gehen in dem südamerikanischen Land Massen auf die Straße, um für eine neue Verfassung zu demonstrieren. Frauen spielen in dem Aufstand seit Beginn eine zentrale Rolle. Nachdem im vergangenen Oktober im Rahmen eines Referendums für die Ausarbeitung eines neuen Grundgesetzes gestimmt worden war, konnte auch eine geschlechterparitätische Besetzung des Verfassungskomitees durchgesetzt werden. Am Montag betonten Frauen mit einem Streik ein weiteres Mal, dass die Welt ohne sie stillsteht.

Während Frauen in Chile weiterhin für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche kämpfen müssen, wurde im Nachbarland Argentinien Ende 2020 ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Trotz dieses Erfolgs gingen dort am Montag Tausende unter anderem in der Hauptstadt Buenos Aires auf die Straße. Eine der Forderungen: Der Gesetzestext müsse nun in die Praxis umgesetzt werden und allen – auch marginalisierten Frauen – der Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch garantiert werden.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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