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Aus: Ausgabe vom 01.03.2021, Seite 5 / Inland
Ausbeutung im Werk

Tönnies auf die Finger schauen

»Initiativenkonferenz Fleischindustrie« zur Durchsetzung von Arbeitsschutzstandards
Von Simon Zeise
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Tiere zerlegen ist ein Knochenjob. Die Unternehmer sorgen für zusätzliche Härten

Die Beschäftigten in der Fleischindustrie müssen seit Jahren unter sklavereiähnlichen Bedingungen schuften. Mit dem von der Bundesregierung verabschiedeten Arbeitsschutzkontrollgesetz sollen die Standards höher gesetzt werden. Gewerkschafter, kirchliche Vertreter und Mitglieder der Beratungsstelle »Faire Mobilität« diskutierten am Freitag online auf der dritten »Initiativenkonferenz Fleisch­industrie«, wie es um die Umsetzung des Gesetzes bestellt ist. »Mehr als 100.000 Beschäftigte in der Fleischwirtschaft haben es verdient, dass sie zu fairen Bedingungen arbeiten«, sagte Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG).

»Seit vielen Jahren engagieren sich die Beteiligten an der Seite von meist osteuropäischen Werkvertragsbeschäftigten, kennen deren Arbeitsleid und ihre zumeist unzumutbaren und teuren Unterkünfte«, erklärten die Veranstalter in einer Pressemitteilung am Wochenende. Auf ihren Druck und durch die Pandemie­ausbrüche in der Fleischverarbeitung während der Coronakrise habe die Bundesregierung mit dem Verbot von Werkverträgen zum Jahresbeginn reagiert. Veränderungen seien sichtbar: Mehrere tausend Beschäftigte hätten bereits neue Arbeitsverträge. Erste Sondierungen zwischen NGG und den Unternehmerverbänden für einen bundesweiten Tarifvertrag in der Branche liefen.

Susanne Uhl, Leiterin des Hauptstadtbüros der NGG, sagte am Sonntag gegenüber jW, es müsse jedoch genau hingesehen werden, damit das Arbeitsschutzkontrollgesetz auch umgesetzt werde. Schließlich suchten Unternehmer immer wieder nach neuen Lücken, um das Verbot von Werkverträgen zu umgehen. Inhabergeführte Firmen versuchten etwa, ihre Stammbelegschaft in Zwischenkonstruktionen auszugliedern. Auch die oft katastrophalen Zustände bei der Unterbringung der Beschäftigten seien ein Thema der Konferenz gewesen. In diesem Punkt sei das Gesetz nicht so ausgefallen, wie es sich die Gewerkschaft gewünscht habe, so Uhl. Insbesondere die Deckelung der Mietkosten für die Beschäftigten und bessere Arbeitsschutzkontrollen seien Forderungen, die von der Regierung nur ungenügend berücksichtigt wurden. Ihr Kollege Freddy Adjan fasste zusammen: »Wir werden wachsam sein und den Druck auf die Politik, das Gesetz zu kontrollieren, hoch halten.«

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