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Aus: Ausgabe vom 25.02.2021, Seite 16 / Sport
Fußball

Geil in Neonfarben

Die BVB-Fanfibel geht der Frage nach, was Fansein heute ausmacht
Von Ivem Eff
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Glanz des Geldes: Die BVB-Fanwelt in Dortmund

Bei den gerade laufenden Spielen der Bundesliga vor leeren Rängen fragen sich so einige Fans, warum sie überhaupt noch Fans sind. Ohne Stimmung und ohne echte Aussicht, die Bayern jemals vom Thron fliegen zu sehen, wirkt die Liga wie ein einziges torloses Unentschieden zwischen Augsburg und Wolfsburg an einem verregneten Sonntag nachmittag. Aber es hat ja auch mal andere Zeiten gegeben. Das ist gar nicht so lange her, auch wenn es sich anfühlt wie eine Ewigkeit.

Von diesen Zeiten, von Titeln und Triumphen, von Tränen und Bier, erzählt die »Borussia Dortmund. Fußballfibel«, geschrieben von Nikita Afanasjew und Eva Kienholz. Wobei sich die beiden Autoren trotzdem dieselbe Frage stellen wie so mancher Anhänger gerade: Was bedeutet es überhaupt, Fan zu sein?

Afanasjew kam 1993 aus Russland ins Ruhrgebiet – seinen Verein wählte er ohne großen Hintersinn. »Das Schwarz-Gelb der Borussia wirkte auf mich neu, aufregend, irgendwie so, wie ich mir den Westen ausgemalt hatte: geil in Neonfarben.« Seither fiebert er für den BVB, auch wenn er immer wieder mit dem durchkommerzialisierten und vom Glanz des eigenen Geldes geblendeten Sportbetrieb hadert.

Eva Kienholz kam erst vor wenigen Jahren durch Afanasjew zum BVB – und fuhr mit ihm gleich mal zum Auswärtsspiel nach Monaco. Die Straßen dort sind »pechschwarz, und die Hausfassaden werden von Laternen in ein gelbliches Licht gerückt. Was ein schöner Anblick, welch gutes Omen für das morgige Spiel.«

Es ist die spannende Doppelperspektive auf das Fansein, die dieses Buch ausmacht. Wo die neue Anhängerin noch gute Omen sieht, ergeht sich der altgediente Fan bisweilen im unvermeidlichen Fatalismus, zu oft hat er seinen Verein schon scheitern sehen. Wo Kienholz in einer Zeit Fan geworden ist, da ihr Verein immer oben mitspielte, durchlief Afanasjew die lange Talsohle der furchtbaren nuller Jahre mit der irgendwie doch verhinderten Insolvenz, vor der auch Menschen wie Florian Homm den BVB retten mussten, der aussah »wie eine verunglückte Nachahmung eines Mafiapaten«.

Diese Fanfibel kann auch als ein langer reportagiger Essay über die Entwicklung des Fußballs in Deutschland seit den 90er Jahren gelesen werden. Dabei tragen die Autoren immer zwei Herzen in der Brust, sind sie doch gleichzeitig Journalisten und eben Fans. Und das bleiben sie auch in Zeiten der leeren Zuschauerränge.

Nikita Afanasjew und Eva Kienholz: Borussia Dortmund. Fußballfibel. Culturcon-Verlag, Berlin 2020, 124 Seiten, 12,99 Euro

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