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Aus: Ausgabe vom 18.02.2021, Seite 7 / Ausland
Palästina Pandemiebekämpfung

»Sputnik V« für Gaza

Nach Weigerung zu Beginn der Woche und deutlicher Kritik: Israel lässt Impfstofflieferung zu
Von Gerrit Hoekman
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Erste »Sputnik V«-Lieferungen erreichen am Mittwoch Gaza

Israel hat eingelenkt. Nachdem die Behörden am Montag zunächst die Überführung von 2.000 Dosen des von Russland gespendeten Impfstoffs »Sputnik V« aus Ramallah in den Gazastreifen verweigert hatte, soll jetzt zumindest die Hälfte an der Grenze zu Gaza angekommen sein. Das meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan.

Anfang der Woche hatte Israel die Lieferung nicht zugelassen. Da die Westbank über keine direkte Verbindung nach Gaza verfügt, ist die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) auf Israels guten Willen angewiesen. Der bevölkerungsreiche Gazastreifen ist seit 2007 mit einer kompletten Blockade belegt. Israel kontrolliert alle Ein- und Ausfuhren.

Die palästinensische Gesundheitsministerin Mai Al-Kaila hatte Israel wegen seiner Weigerung scharf angegriffen. Das Vorgehen verstoße gegen alle internationalen Abkommen, so Al-Kaila laut der amtlichen Nachrichtenagentur WAFA. »Diese Dosen waren für das medizinische Personal bestimmt, das auf den Intensivstationen mit Covid-19-Patienten und in den Notaufnahmen arbeitet«, sagte sie.

Davon waren aber einige Abgeordnete in der Knesset nicht überzeugt. »Ich habe Zweifel, ob die Vakzine dem medizinischen Personal gegeben werden«, zitierte die Tageszeitung Haaretz (online) am Montag den Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung, Zvi Hauser. »Ich gehe davon aus, dass sie zuerst an die Hamas-Führer gehen werden, die für die Entführung von Israelis verantwortlich sind«, sagte er ohne einen Beleg für seine Behauptung.

Hauser gehört seit Dezember 2020 der nationalliberalen Partei Tikwa Chadascha (Neue Hoffnung) an. Die britische Tageszeitung Guardian wollte am Dienstag erfahren haben, dass Hauser und einige andere Abgeordnete offenbar der Meinung sind, der Impfstoff dürfe nur nach Gaza geliefert werden, wenn die dort regierende Hamas zwei israelische Soldaten freilässt, die sich in der Hand der Islamisten befinden sollen, oder zumindest Auskunft über ihr Schicksal gibt.

Ofer Cassif, Knesset-Abgeordneter der sozialistischen Chadasch, verurteilt die Haltung. »Die Verhinderung einer medizinischen Behandlung ist ein Kriegsverbrechen, ein Verstoß gegen das Völkerrecht und noch schlimmer – eine unmenschliche Position«, sagte er laut Haaretz. Derselben Meinung war auch die Demokratische Front zur Befreiung Palästinas (DFLP): »Diese willkürliche Maßnahme ist ein weiteres Kriegsverbrechen, das in die Reihe der Verbrechen gegen den Gazastreifen aufgenommen werden kann«, zitierte die palästinensische Tageszeitung Al-Ajam noch am Mittwoch aus einer Presseerklärung der leninistischen Organisation.

Während in Israel beinahe die Hälfte der Bevölkerung bereits geimpft ist, hat die Autonomiebehörde bis jetzt nur 10.000 Dosen aus Russland erhalten und 2.000 aus Israel. Weitere 3.000 Einheiten des Vakzins der Firma Moderna habe Tel Aviv noch nicht geliefert, berichtete Haaretz am Dienstag.

Mit Astra-Zeneca hat die Autonomiebehörde einen Vertrag über zwei Millionen Impfdosen abgeschlossen. 400.000 davon sollen zwischen März und Juli in der Westbank ankommen. 37.000 Einheiten von Pfizer will die Weltgesundheitsorganisation WHO zur Verfügung stellen. Sie sollen in den nächsten Wochen eintreffen.

Der für Montag geplante Impfbeginn für die Bevölkerung in der Westbank musste jedenfalls verschoben werden. Immerhin ist inzwischen ein Teil des medizinischen Personals versorgt worden. »Wenn die Autonomiebehörde mehr Dosen aus einigen Ländern und internationalen Organisationen erhält, werden wir einen neuen Termin bekanntgeben«, erklärte der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtajjeh.

In den vergangenen Tagen wurden nach Haaretz-Informationen auf der Westbank kritische Stimmen laut, die mehr Transparenz bei der Zuweisung der Impfungen anmahnten. Angeblich sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Autonomiebehörde geimpft worden sein, obwohl sie nicht im Gesundheitswesen arbeiten. In Palästina wurden bislang fast 200.000 Infizierte registriert, 2.139 Tote sind zu beklagen. Auch die zuerst in Großbritannien entdeckte Mutation soll nachgewiesen worden sein.

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