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Aus: Ausgabe vom 10.02.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Fachkräftemangel

Ausbildungsoffensive in Vietnam

Zu wenige Nachwuchskräfte für schnelle Entwicklung. Arbeit an dualem System
Von Stefan Kühner
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Gemeinsam lernen: Vietnamesische Auszubildende in der Metallwerkstatt des Bildungswerks der Sächsischen Wirtschaft in Chemnitz (4.9.2014)

Ein Stichwort, das beim 13. Parteitag der KP Vietnams immer wieder zu hören war: »Human Resources«. Zu deutsch umschrieben mit: »Behebung des Fachkräftemangels«. Wenn Vietnam seine wirtschaftlichen Ziele erreichen will, braucht das Land gut ausgebildete Leute, insbesondere für Managementaufgaben. Fakt ist aber: Die Qualifikation von Schulabgängern hinkt den Anforderungen der schnellen Entwicklung des Landes hinterher. Seit langem herrscht in Vietnam eine Schulpflicht von mindestens neun Jahren, in den Städten gehen die meisten zwölf Jahre zur Schule. »Mittlere Abschlüsse«, wie sie in Deutschland bekannt sind, gibt es (noch) nicht, ebensowenig wie eine allgemein normierte Berufsausbildung.

Der Schulunterricht in den oberen Jahrgangsstufen ist weitgehend theoriebezogen. Praktische Einheiten selbst in Fächern wie Biologie, Physik und Chemie oder Technik sind selten. Der Englischunterricht, für alle angehenden Absolventen der 12. Klasse obligatorisch, ist wenig praxisbezogen. Konversationsübungen sind Mangelware.

Das Thema Qualifizierung geht Vietnam auf mehreren Ebenen an. Eine der großen Herausforderungen ist die Berufsausbildung. Bisher wird ein Handwerk in einer Werkstatt erlernt – ohne begleitende Berufsschule und einheitliche Zertifikate. Die dabei vermittelten Kompetenzen von Berufseinsteigern reichen für eine Arbeit in modernen Industriebetrieben nicht mehr aus. Im Gegensatz zum Studium an einer Hochschule ist eine solche Ausbildung bei Heranwachsenden und Eltern daher nicht sehr beliebt. Derzeit setzt sich als Alternative zur schulischen Oberstufe zunehmend ein Modell durch, bei dem Lernen und berufliche Lehre kombiniert werden und vor allem dem Erlernen von Englisch eine hohe Priorität eingeräumt wird. Dabei arbeitet Vietnam eng mit der Bundesrepublik Deutschland zusammen, um ähnlich wie hierzulande ein Modell der dualen Ausbildung aufzubauen.

Die Zahl der an einer Hochschule in Vietnam Studierenden ist von etwa 133.000 im Jahr 1987 auf weit über zwei Millionen gestiegen. Neben den staatlichen Universitäten gibt es zahlreiche private Einrichtungen, deren Gründung und Betrieb die Regierung in Vietnam ganz bewusst fördert, um so Wissen und Arbeitsmethoden ins Land zu holen. Eines dieser Vorhaben ist die Vietnamesisch-deutsche Universität (VGU). Sie wird durch ein Regierungsabkommen zwischen der BRD und Vietnam gemeinsam finanziert. Die Abschlüsse nach deutschem Hochschulrecht werden von beiden Ländern anerkannt. Die VGU bildet derzeit etwa 1.700 Studierende aus und kooperiert mit 36 Hochschulen in Deutschland. Angeboten werden Studiengänge in Informatik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Umwelttechnik und Wirtschaftswissenschaften. Die Absolventen sind bei deutschen Unternehmen, die sich mit Produktionsbetrieben oder Entwicklungsbüros in Vietnam niedergelassen haben, sehr beliebt.

Viele junge Vietnamesen treten ihre Ausbildung im Ausland an und arbeiten dann in der Regel auch noch einige Jahre in ihrem Studienland. Am gefragtesten sind dabei die USA mit rund 30.000 Studierenden, aber auch in Deutschland studieren etwa 8.000 Vietnamesen. Gute Erfahrungen der Eltern und Großeltern mit dem Studium in der DDR wirken hier noch nach. Vor allem die Absolventen technischer Studiengänge fungieren, wenn sie im Studienland bleiben, oftmals als Ansprechpartner für Kooperationen mit vietnamesischen Unternehmen. So gelten beispielsweise in ihr Heimatland Zurückkehrende aus der BRD als »Botschafter deutscher Technik«.

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