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Aus: Ausgabe vom 23.11.2020, Seite 10 / Feuilleton
Literatur

Am nächsten Morgen

Von Pierre Deason-Tomory

Graumann wird munter und setzt sich an den Küchentisch. Trinkt Kaffee, raucht, geht sich rasieren. Setzt sich in den Sessel und raucht. Geht duschen, kommt zurück, Sessel, Kaffee, raucht. Es ist noch Zeit, er könnte liegengebliebene Arbeit beenden. Er setzt sich an den Schreibtisch und beantwortet lieber einen Brief.

Zum Friseur, zum Verlag, zur Bank, zum Einkaufszentrum. Er kauft eine Platte und fährt mit dem Bus nach Hause.

Er legt die Platte auf, setzt sich in den Sessel, raucht, nimmt die Fernbedienung und löscht 190 Fernsehprogramme. Das Telefon klingelt, der Lockdown ruft an und möchte vorbeikommen.

Franz und Maria bringen Bier mit. Anstoßen, rauchen, palavern, Saxophone und Trompeten reden dazwischen. Franz und Maria gehen irgendwann, aber ein paar Biere bleiben noch, und die Musik will weiterspielen. Rauchen.

Am nächsten Morgen. Graumann setzt sich in den Sessel. Das Fenster steht offen, die Sonne fällt ins Zimmer und bestrahlt blau-braune Rauchschwaden, die von der kalten Luft bewegt werden. Er bläst vorsichtig hinein und denkt sich: Ich sollte weniger trinken.

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