Die jW-Serie »Wohnen im Haifischbecken«
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Die jW-Serie »Wohnen im Haifischbecken«
Aus: Ausgabe vom 31.10.2020, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Steckrübenauflauf

Von Maxi Wunder

Daran, dass man sich hierzulande mit einem albernen US-Import namens »Halloween« rumplagen muss, ist Saddam Hussein schuld, irakischer Präsident von 1979 bis 2003. Er sollte in den 80er Jahren im Auftrag der USA Iran fertigmachen, griff dann aber 1990 ohne US-Erlaubnis auch noch Kuwait an, woraufhin die USA gegen Saddam in den Zweiten Golfkrieg zogen. Den Deutschen verging der Spaß am Fasching, im Frühling 1991 fiel die Karnevalssaison quasi aus. Doch »Rettung« aus Übersee ließ nicht lang auf sich warten: Der New Yorker Halloween-Weltmarktführer Rubie’s kaufte deutsche Karnevalsfirmen auf und flutete den hiesigen Markt mit Halloween-Artikeln. Praktisch über Nacht hatten die Deutschen einen »neuen Brauch«, in dessen Mittelpunkt ein beleuchteter Fratzenkürbis stand.

Der war ursprünglich irisch. Jahrhundertelang feierten die Iren ihr keltisch-katholisches Horrorfest zu »Allerheiligen« und nahmen es im 19. Jahrhundert als Auswanderer mit in die USA. Und von da schwappt es nun wieder zurück. Das kommt davon: Wer den Amis nicht gehorcht, wird nicht nur mit Krieg bestraft, sondern muss auch noch ihren Gruselkitsch kaufen.

Die schärfste Kritik an dem Fest kommt aberwitzigerweise ebenfalls aus den USA, wo Evangelikale hinter dem Event, bei dem als Hexen und Gespenster verkleidete Kinder an Haustüren Süßigkeiten erpressen (»Trick or treat«), finstersten Aberglauben aus vorchristlicher Zeit vermuten. Angeblich hätten nämlich keltische Druiden im 2. Jahrhundert vor unserer Zeit am Ende jedes Sommers einem Totengott namens Samhain gebratene Kinderopfer dargebracht, um von ihm Schutz vor den umherirrenden Seelen Verstorbener zu erflehen. Wer sein Kind zur Verfügung gestellt hat, erhielt zur Belohnung eine beleuchtete Rübe, mit der er böse Geister abschrecken konnte.

Heute sind solche Methoden zu Recht umstritten, gegen böse Geister hört man Bach, und aus Rüben macht man Steckrübenauflauf:

500 g Steckrüben und 200 g Möhren schälen, Steckrüben würfeln, Möhren in Scheiben schneiden. Etwas Speck in Scheiben schneiden und in einem Topf mit Öl anbraten. Steckrüben und Möhren zufügen und mit einem Dreiviertelliter Gemüsebrühe auffüllen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Aufkochen und zirka 15 Minuten köcheln lassen. Steckrüben, Möhren und Speck abschöpfen und in eine Auflaufform füllen, die vorher mit einer halben Knoblauchzehe ausgestrichen wurde. Mit Kochflüssigkeit bedecken. Eine Zwiebel schälen und hacken. 25 g Mandeln hacken. Ein halbes Bund Majoran waschen und Blättchen hacken. 150 g geräucherten, durchwachsenen Speck fein würfeln. Alles vermengen. Die Zwiebel-, Mandel-, Majoran-, Speckmischung zusammen mit 40 g Butter in Flöckchen auf der Rüben-, Möhren-, Speckmischung verteilen. Auflauf im vorgeheizten Backofen (E-Herd: 200 Grad) zirka 15 Minuten backen. Dazu passt ein kräftiger, trockener Rosé.

Den Kürbis hatte Agatha Christie übrigens schon 1926 in »Alibi« erledigt. Der Held dieses Romans, Privatdetektiv Hercule Poirot, geißelt das Gemüse als geschmacklosen Matsch und schmeißt es seinem Nachbarn, dem Mörder, empört über die Gartenmauer.

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